Terrormiliz
IS kontrolliert Schmuggelrouten in Libyen

Auch nach der Libyen-Konferenz in Rom machen sich Experten wenig Hoffnung auf eine politische Lösung. Sie geben dem international abgestützten Versuch, das geteilte Land zu einigen, wenig Chancen.

Tel AvivDie 17 Teilnehmerstaaten der Libyen-Konferenz, darunter die USA, Russland und Deutschland haben in Rom gegenüber Vertretern libyscher Gruppen zwar wirtschaftliche Hilfen und Unterstützung beim Wiederaufbau staatlicher Strukturen zugesagt, um die künftige Regierung der Nationalen Einheit zu unterstützen. Aber es gebe zu viele Gruppen in Libyen, die kein Interesse an einem Abkommen haben, meint Nordafrika-Experte Firas Abi-Ali von IHS Country Risk: „Diejenigen, die verhandeln, sind nicht die selben, die kämpfen.“ Für einen politischen Kompromiss sieht er nur wenig Chancen. Vor allem war lords haben ein Interesse an einer Fortsetzung der Kämpfe. Ein Ende würde ihre Bedeutung herab setzen. Und eine einzelne Gruppe, die stark genug wäre, sich gegenüber allen anderen durchzusetzen, sei nicht in Sicht. Zudem lehnen einflussreiche Kreise eine Lösung entschieden ab, die unter ausländischer Vermittlung zustande kommt.

Von der Fragmentierung des Landes profitiert vor allem der Islamische Staat. Er kontrolliert derzeit Sirte. In Kufra und Sada ist seine Präsenz so stark, dass er dort ungehindert operieren kann. Libyen, meinen Beobachter in Nordafrika, sei für den IS wirtschaftlich noch lukrativer als Syrien. Das einstige Land Gaddafis habe nicht nur Erdöl, sondern sei auch Endpunkt der meisten Schmugglerrouten, die den afrikanischen Kontinent mit Europa verbinden. Der IS sei damit in der Lage, aus dem illegalen Handel Kapital zu schlagen. Er werde seine strategisch wichtige Stellung an der Schmugglerroute auch benützen, um von Migranten auf ihrer Flucht von Afrika nach Europa Geld zu verlangen.
In Libyen gibt es derzeit zwei Parlamente, zwei Regierungen und zahlreiche Milizen, die um die Herrschaft kämpfen. Die islamistisch ausgerichtete Regierung in Tripoli wird von Katar und der Türkei unterstützt, diejenige in Tobruk von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beide kämpfen auch um die Kontrolle der Libyschen Zentralbank und ihrer Reserven sowie um die Herrschaft über die Erdölfelder.

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