Terrormiliz Islamischer Staat in Libyen
Der IS droht Europa

Wenige hundert Seemeilen trennen den IS vom europäischen Festland. Mit der Enthauptung von 21 Christen demonstriert die Terrormiliz ihre Macht – und droht Europa. Italien fürchtet bereits IS-Piraterie vor seinen Küsten.
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Kairo/TripolisDer Islamische Staat (IS) rückt vor: Erst in Syrien und dem Irak paradieren die IS-Kämpfer jetzt auch durch Libyen mit Toyota-Konvois und aufgeblendeten Scheinwerfern – und sind damit fast in Sichtweite des europäischen Festlandes.

Schon vor einer Woche hatten sie eine Botschaft gen Europa und den Westen geschickt: Ein durchinszeniertes Video vom Strand der libyschen Hauptstadt Tripolis zeigt die Enthauptung von 21 koptischen Christen. Der fünfminütige Film trägt den Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“. Das Strandvideo war eine unmissverständliche Botschaft an Europa.

„Wir werden Rom erobern“, deklamierte dann auch einer der Vermummten und streckte seinen Dolch aufs offene Meer. „Wir befinden uns hier südlich von Rom, im Land des Islam Libyen (...) das Meer, in dem ihr die Leiche von Scheich Usama bin Ladin versteckt habt, wir schwören bei Allah, wir werden es mit eurem Blut mischen.“

Sieben Monate, nachdem der selbst ernannte Kalif Ibrahim, alias Abu Bakr al-Baghdadi, in Mosul sein „Islamisches Kalifat“ ausrief, stehen seine Anhänger nun an der südlichen Mittelmeerküste. Bis nach Kreta sind es gerade mal 400 Kilometer.

Vom alten Kontinent trennen sie wenige hundert Seemeilen. Das italienische Verteidigungsministerium warnte bereits vor einer IS-Piraterie auf dem Mittelmeer ähnlich wie der vor Somalia. „Schnellboote könnten Fischerboote, Kreuzfahrtschiffe, kleinere Handelsschiffe oder die Küstenwache attackieren, um Geiseln zu nehmen und Lösegelder zu erpressen“, heißt es in der Analyse. Überfüllte Flüchtlingsboote könnten als schwimmende Bomben präpariert werden, um sie in der Nähe anderer Schiffe in die Luft zu jagen.

Außerhalb ihres „Kalifats“ auf den Gebieten des Iraks und Syrien schworen im vergangenen Oktober die ersten Gotteskrieger in der ostlibyschen Kleinstadt Derna dem IS die Gefolgschaft. „Die Stadt ist außerhalb jeder staatlichen Kontrolle“, berichtete der Journalist Mohamed Eljarh, der sich als einziger Außenstehender kürzlich für einige Stunden in Derna aufhielt.

„Die schwarzen Flaggen des Islamischen Staates wehen überall, sie haben eigene Scharia-Gerichte und eine islamische Polizei etabliert “, berichtete er. Zahlreiche junge Libyer sind mit dabei, viele Extremisten stammen aus Syrien, Irak, Algerien und Palästina. „Der Emir ist ein jemenitischer Dschihadist, der von Abu Bakr al-Baghdadi persönlich geschickt wurde“, berichtet der Augenzeuge, der damit rechnet, dass sich der IS rasch ausdehnen wird.

Attentäter töteten am Freitag 20 Kilometer westlich von Derna mit drei simultanen Bomben mindestens 30 Menschen, die meisten von ihnen warteten an einer Tankstelle auf Benzin. 48 Stunden zuvor waren IS-Kommandos in der libyschen Hafenstadt Sirte einmarschiert und hatten Innenstadt und Universität besetzt, sowie das pompöse Ouagadougou-Zentrum, in dem Muammar Gaddafi seine arabischen und afrikanischen Gipfel abzuhalten pflegte.

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  • 200 Mio. Kids für die IS und andere Terroristen. Weißst Du wie wenige US-Soldaten die vor Angst in die Hose machen denen gegenüberstehen. Was haben die eigentlich im Irak, Afghanistan erreicht? Die Eltern werden für diese Kriege und die kommenden nicht noch ihre letzten Kinder opfern. Ganz bestimmt nicht.

    1 :200 ist ca. das Verhältnis. Ich glaube auch nicht an Gott! Nur an das, was ich sehe und realisieren kann.

    Die Politiker waren schon zuZzeiten bei der RAF in Deutschland unfähig. Und das waren nur eine handvoll linker Terroristen.
    Zum Glück ist noch relative Ruhe in Europa bzw. in Deutschland. Ich hoffe, dass es so bleibt. Aber sicher wäre ich mir nicht. Das Missverhälnis gibt mir allerdings für die Zukunft zu denken.

  • Wo liegtdas Problem, dann soll die Nato Kriegschiffe dorthin verlagern, ich denke die Profis machen alles platt was sich über und unter Wasser bewegt.

  • Viel Grüße vom Onkel des "Youth Bulge."

    200 Mio. vergeigte Kids gegen Europa und das ohne die US.

    Adiu Deutschland!

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