Terrormiliz Islamischer Staat
Wie der IS mit Währungsmanipulationen Geld verdient

Dinar verdienen, aber in Dollar bezahlen: Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen setzt die Terrormiliz Islamischer Staat auf Währungsmanipulationen. Leidtragende sind die Anhänger der Extremisten – und ihre Gefangenen.

BagdadIm Kampf gegen die Extremistenmiliz IS haben die USA und ihre Verbündeten neben Kämpfern und Führungsmitgliedern auch die Finanzquellen der Islamisten im Visier. Die Bombardierungen von Einrichtungen zur Förderung, Verarbeitungen und Transport von Öl sowie von Gelddepots sollen den Islamischen Staat finanziell austrocknen. Um rund 30 Prozent sind dadurch die Einnahmen des IS allein aus dem Ölgeschäft nach US-Angaben seit Oktober zurückgegangen. Um das zu kompensieren, setzen die Extremisten auf eine Doppelstrategie: weniger Sold für die Kämpfer und Währungsmanipulation.

Auf bis zur Hälfte ihres bisherigen Soldes müssen die IS-Kämpfer nach US-Angaben verzichten. Der durchschnittliche Sold für einheimische Kämpfer sei auf 200 Dollar im Monat halbiert worden, ausländische Dschihadisten, die bislang zwischen 600 und 800 Dollar verdienten, würden auch weniger erhalten, sagt der Sprecher der Anti-IS-Koalition, US-Oberst Steve Warren. Allerdings sei nicht klar, wie stark die Bezüge der Ausländer gekürzt seien. Zudem würden die einheimischen Kämpfer nicht mehr in Dollar ausbezahlt, sondern in Dinar. Und damit verschafft sich der IS in den von ihm kontrollierten Gebieten wie im nordirakischen Mossul einen zweiten Vorteil – Devisengewinne.

Nicht nur die irakischen Kämpfer werden in der Landeswährung ausbezahlt. Auch die Beschäftigten in den Fabriken und die öffentlichen Bediensteten würden in Dinar entlohnt. Die hergestellten Produkte verkaufe der IS aber gegen Dollar, berichteten Geldwechsler in Mossul. Bis zu 20 Prozent Gewinn streiche der IS dadurch ein. Denn der von der irakischen Regierung festgelegte offizielle Umtauschkurs beträgt 118.000 Dinar für 100 Dollar. In Mossul kassiert der IS 127.500 Dinar für 100 Dollar, wenn mit 25.000-Dinar-Noten bezahlt wird. Will jemand 100 Dollar mit 250-Dinar-Scheinen kaufen, muss er schon 155.000 Dinar zahlen. Der IS setze auf große Geldscheine, weil diese leichter zu transportieren seien.

Reuters konnte diese Angaben nicht unabhängig verifizieren. Auch ist unklar, ob der IS so auch in anderen Gebieten verfährt, die er im Irak und in Syrien unter seiner Kontrolle hat.

Der IS gilt nach US-Einschätzung als die reichste Extremistengruppe der Welt. Bei der Eroberung weiter Teile des Irak konfiszierten die Islamisten demnach 500 Millionen Dollar in den örtlichen Banken. Zudem verdienten sie Millionen Dollar mit Öl-Schmuggel, eigenen Steuern und Lösegeld. Im Oktober lagen die monatlichen Einnahmen nach US-Angaben noch bei 47 Millionen Dollar. Mittlerweile seien aber allein die Einnahmen aus dem Ölgeschäft durch die Luftangriffe auf Quellen, Raffinerien und Tanklager um etwa ein Drittel gesunken. Durch die Angriffe seien auch mindestens zehn Gelddepots zerstört und geschätzt mehrere hundert Millionen Dollar vernichtet worden. In Mossul wurde nach Zeugenberichten etwa das Zentralbankgebäude zerbombt. Die Luftangriffe seien wie Körpertreffer bei einem Boxer, sagt US-Offizier Warren. „Sie schalten Dich vielleicht nicht sofort aus, aber mit der Zeit werden die Knie weich, und Du bist nicht mehr in der Lage, normal zu funktionieren.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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