Terrorwelle in Indien
Indien: Wie deutsche Unternehmer den Terror erlebten

Gute Notfallpläne und ein wenig Glück: Wie die Vertreter deutscher Unternehmen wie Siemens, BASF und Volkswagen die Terrortage in Bombay erlebten - und warum die meisten glauben, dass das Image Indiens kaum Schaden nehmen wird.

BOMBAY. Samstagmorgen in Bombay. Bernhard Steinrücke lehnt sich auf der Veranda im Stuhl zurück und schaut nachdenklich aufs Arabische Meer. Seit ein paar Stunden erst ist der Terror in Bombay vorbei. "Mir ist kein deutsches Unternehmen bekannt, in dem Hysterie ausgebrochen ist", sagt der Leiter der deutsch-indischen Handelskammer. Der einzige "Evakuierungsfall", sagt Steinrücke, sei ein Rechtsreferendar der Kammer gewesen, "den hat das OLG Hamburg zurückbeordert" - wegen des Terrors.

In verblichenen Shorts und Polohemd sitzt Steinrücke im "Breach Candy Swimming Club". Der ist die Oase der kleinen deutschen Gemeinschaft in Indiens Wirtschaftsmetropole. Hier, nur sieben Kilometer von den Orten des Grauens entfernt, haben sich die Deutschen getroffen, um nach den Katastrophentagen Ruhe zu finden, um einander Mut zu machen und um neue Pläne zu schmieden.

Trotz der Trauer über die fast 200 Toten der Wahnsinnstat geben sich alle zuversichtlich: Der Terror werde das Geschäft nicht beeinträchtigen, ab heute herrsche wieder Normalzustand. Aber ob das Image des Wirtschaftsstandorts Indien dauerhaft Schaden nimmt, ob die Zentralen der deutschen Konzerne sich von der Nervosität anstecken lassen - wer weiß das schon, nach so einer Tat.

Von Mittwochabend bis Samstagmorgen haben Terroristen Indiens Wirtschaftsmetropole erschüttert. Nur zehn waren sie, doch sie hielten, bis an die Zähne bewaffnet, gegen Polizei und Militär fast 60 Stunden lang durch, ehe der letzte von ihnen getötet wurde. Nur einer hat überlebt, er stammt wie seine Mittäter aus Pakistan. Ihre Ziele gehören zu den wichtigsten Treffpunkten der internationalen Geschäftswelt in Bombay: die Hotels Taj Mahal und Oberoi-Trident sowie das Café Leopold. Die Terroristen trafen Indiens Wirtschaft ins Mark.

"Es hätte uns alle treffen können", sagt Bernhard Steinrücke. Im Pool mit Wasserrutsche und ein paar Sprungbrettern planschen einige Kinder. Jeder, der in Bombay geschäftlich zu tun hatte, kennt die Orte des Schreckens. Noch am Dienstagabend fand im Hotel Taj Mahal das Jahresmeeting von Siemens India statt. Für nächste Woche war dort auf der Terrasse des Business-Clubs "Chambers" ein Empfang für Günther Oettinger geplant. Baden-Württembergs Ministerpräsident hätte dort den Ausblick auf das "Gate of India" genießen können, den Torbogen aus Basalt, der jeden Besucher begrüßt, der Bombay übers Wasser erreicht.

Die Terroristen kamen per Boot.

Die Deutschen taten, was sie konnten. Ein Mitarbeiter der Handelskammer versorgte zwei deutsche Besucher, die dem Inferno erst nach Stunden entkamen, bei sich zu Hause, kleidete sie neu ein und baute sie wieder auf. Am Sonntag sickert durch, dass die deutsche Gemeinschaft Bombays eines ihrer Mitglieder, eine asiatische Mitarbeiterin einer deutschen Versicherung, verloren hat. Viele, die hier um den Pool auf den weiß-blauen Liegen sitzen, waren ein- bis zweimal pro Woche im Taj.

Das Hotel war nicht nur das Symbol für indischen Stolz und Unabhängigkeit. J.N. Tata, Urgroßvater des Milliardärs Ratan Tata, baute es im Jahr 1903, weil ihm - so die Legende - als Inder der Zutritt zum Hotel Watson?s, wo die britischen Kolonialmächtigen verkehrten, verwehrt wurde. Bis Mittwoch war das Taj "das Wohnzimmer für die indische und europäische Elite der Stadt", erzählt Armin Bruck, der Chef von Siemens India. Er ist mit seiner ganzen Familie zum Pool gekommen.

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