Terry Jones
Pastor aus Florida empört die Welt

Der radikale Prediger hat vor am 9. Jahrestag der Anschläge in den USA eine Koran-Verbrennung zu initiieren. Auch die Warnung von Außenministerin Hillary Clinton konnte Jones bisher nicht dazu bringen von seinen Plänen Abstand zu nehmen.
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WASHINGTON. Wenn Pastor Terry Jones im Örtchen Gainesville in Florida die Straße betritt, schnallt er sich inzwischen eine Pistole um die Hüfte. Über 100 Morddrohungen hat der 58-jährige Prediger erhalten, unzählige Protestschreiben und zuletzt sogar eine deutliche Warnung von Außenministerin Hillary Clinton. Doch bislang hält Jones unbeirrt an seinem Vorhaben fest. Der Chef einer fundamentalistischen evangelikalen Gemeinde will am 9. Jahrestag der Anschläge vom 11. September öffentlich mehrere Exemplare des Korans verbrennen und damit gegen die Gewalt demonstrieren, die vom Islam ausgehe. Schaden ist dabei schon jetzt entstanden. In Kabul werden Jones-Puppen und die US-Flagge angezündet, und Amerika wird der Intoleranz geziehen.

Tatsächlich könnte es damit dem Pastor gelingen, das Verhältnis zwischen Christen und Moslems erneut nachhaltig zu belasten. Dabei hatte nach den Anschlägen und den Kriegen in Irak und Afghanistan gerade die US-Regierung von Barack Obama einen neuen Ansatz im Umgang mit dem Islam gesucht. So hatte der US-Präsident letztes Jahr nur wenige Monate nach Amtsantritt mit einer Rede in Kairo ein Gesprächsangebot an die arabische Welt gemacht. Terry Jones, der immer wieder den Islam als Werk des Teufels bezeichnet, drängt dieses Bild von Amerika jedoch nun in den Hintergrund.

Dabei hatte Jones auch schon in Deutschland für Ärger gesorgt. Über Jahre hinweg war er als Seelsorger in der "Christlichen Gemeinde Köln" tätig, hatte dort aber wohl vor allem die eigene Selbstdarstellung im Sinn. Verurteilt zu einer Geldstrafe von 3 000 Euro wegen des Führens eines falschen Doktortitels und nach Anschuldigungen wegen Unregelmäßigkeiten bei den Gemeindefinanzen, verließ er Köln 2008 - und hinterließ vor allem Unfrieden. "Den Geist, den Jones anklagt, bringt er selber - diese Gewaltbereitschaft, diesen Fanatismus", sagt der zweite Vorsitzende der freikirchlichen Gemeinde in Köln, Stephan Baar.

Fraglich ist auch, wie substanziell Jones? Einlassungen über den Islam tatsächlich sind. Laut einer eidesstattlichen Aussage, die Jones kürzlich gemacht hatte, bezog er seine Kenntnis über die Scharia, das islamische Recht, vor allem durch Videos auf Youtube. Er räumte zudem ein, keinen einzigen Moslem persönlich zu kennen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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