Teure Energieimporte vergrößern US-Handelsdefizit
Bushs Ölbohrpläne in Alaska gescheitert

Gegen den Willen von US-Präsident George W. Bush bleibt das Verbot von Ölbohrungen in einem Naturschutzgebiet in Alaska vorerst bestehen. Republikanische Führer im US-Repräsentantenhauses strichen die Pläne einer Öffnung des Gebiets am Mittwochabend aus dem Haushaltsentwurf. Sie wollten so verhindern, dass der gesamte Haushalt bei der nächsten Abstimmung durchfällt. Auch andere Regionen an der Atlantik- und Pazifikküste, für die momentan ein Ölbohrmoratorium gilt, sollen weiter unangetastet bleiben.

ap/ost WASHINGTON. Das Scheitern der Ölbohrungen in den Reservaten ist ein Sieg für Umweltschützer und ein herber Rückschlag für Bush. Die Bohrungen im Arctic National Wildlife Refuge sind ein Kernstück der energiepolitischen Pläne Bushs. Anlass für die überraschende Wendung war die Ankündigung von 25 moderaten Republikanern, gegen den Haushalt zu stimmen.

In einem Brief schrieben sie: „Anstatt den jahrzehntelangen Schutz für diese Gebiete aufzuheben, sollte der Fokus auf erneuerbare Energiequellen, alternative Brennstoffe und einen effizienteren und sparsameren Umgang mit Energie gelegt werden.“ Gegner der Bohrungen erklären, das Öl in dem Naturreservat reiche ohnehin bei weitem nicht aus, um die Importquote entscheidend zu senken.

Im Repräsentantenhaus haben die Republikaner nur eine Mehrheit von 14 Stimmen. Dennoch kündigten mehrere republikanische Senatoren und Abgeordnete an, weiter für die Aufnahme des Öl-Artikels in den Haushalt kämpfen zu wollen. Sowohl der Senat als auch das Abgeordnetenhaus haben die Bohrungen in Alaska als Teil der übergeordneten Energiestrategie der Regierung mehrfach gebilligt.

Die Regierung bemüht sich, die Abhängigkeit von Ölimporte zu verringern, die deutlich für das hohen Handelsdefizit mit verantwortlich sind. So hat das Loch in der Handelsbilanz im September das größte Ausmaß in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte erreicht. Das monatliche Defizit summierte sich auf den neuen Rekordwert von 66,1 Mrd. Dollar, meldete das US-Handelsministerium am Donnerstag. Zwei Gründe waren dafür verantwortlich: Durch die hohen Ölpreise sind die US-Importe im September massiv gestiegen, während die amerikanischen Exporte zugleich so stark schrumpften wie seit vier Jahren nicht mehr.

Die seit Jahren wachsenden Fehlbeträge in der US-Handels- und Leistungsbilanz gelten unter Volkswirten langfristig als große Gefahren für die Weltwirtschaft. Denn um diese Defizite zu finanzieren, muss sich die US-Wirtschaft immer stärker im Ausland verschulden. Falls ausländische Geldgeber das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft verlieren und ihr Kapital abziehen, wäre ein massiver Verfall des US-Dollars die Konsequenz. Solche Turbulenzen wären Gift für die globale Konjunktur.

Volkswirte versuchten jedoch, die jüngsten Handelszahlen zu relativieren – mit dem Argument, mehrere Sondereffekte hätten die Handelsströme verzerrt. Im Zuge der beiden Wirbelstürme „Katrina“ und „Rita“ waren die Ölpreise kurzfristig auf Rekordhöhen geklettert – dadurch stieg der Wert der Öleinfuhren auf das Rekordniveau von 23,8 Mrd. Dollar.

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