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17.08.2007 
Rasanter Preisanstieg

Teures Fleisch vergrätzt die Chinesen

von Andreas Hoffbauer

Was hier in Deutschland zum Standard in China-Restaurants gehört, können sich viele Chinesen in ihrem Heimatland nicht mehr leisten: Schweine- und Geflügelfleisch. Der rasante Preisanstieg für Fleisch hat die Inflation auf den höchsten Stand seit zehn Jahren getrieben. Angesichts drastisch steigender Lebensmittelpreise fürchtet die Regierung in Peking nun soziale Unruhen.

Wegen der steigende Preise für viele Chinesen ein unerschwinglicher Luxus: Fleisch. Foto: dpaLupe

Wegen der steigende Preise für viele Chinesen ein unerschwinglicher Luxus: Fleisch. Foto: dpa

PEKING. Auf dem kleinen Markt im Pekinger Stadtteil Chaoyang ist der Unmut nicht zu überhören. „Wir können uns kein Schweinefleisch mehr leisten“, schimpft eine Hausfrau lautstark vor den Ständen. Ein 65-jähriger Rentner pflichtet ihr bei. Seine Gattin sei eine erfahrene Einkäuferin, sagt er, aber auch sie könne das in China beliebte Schweinefleisch nicht mehr auf den Tisch zaubern. „Heute weiß nicht mal mehr die cleverste Hausfrau einen Trick“, grummelt der Mann.

Die Schlachter wetzen derweil ihre Messer. Sie halten sich lieber aus der hitzigen Debatte ihrer Kundschaft heraus, denn sie kennen die Gründe für den Ärger. „18 Yuan“, kritzelt ein Verkäufer den Preis für 500 Gramm Schweinefleisch auf eine Tafel – umgerechnet nur 1,80 Euro, aber doppelt so viel wie noch Mitte Juni.

Der rasante Preisanstieg für Schweine- und Geflügelfleisch hat Chinas Inflation in den vergangenen Monaten in die Höhe getrieben. Im Juli lagen die Verbraucherpreise insgesamt 5,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. So stark sind die Preise in der Volksrepublik seit zehn Jahren nicht gestiegen.

Die Regierung in Peking macht dies nervös. Weitere Preissteigerungen könnten den sozialen Frieden stören, warnt Chinas Regierungschef Wen Jiabao. Vor allem mit Blick auf den 17. Parteitag der Kommunistischen Partei im Oktober will die Staatsführung derzeit jede Unruhe im Land vermeiden.

Dann will sich die Spitze um Partei- und Staatschef Hu Jintao mit neuen Mitgliedern und als starkes Team präsentieren. Zudem dürfte Chinas Führung nicht vergessen haben, dass die Studentenproteste von 1989 auch durch die damals stark gestiegenen Lebensmittelpreise ausgelöst worden waren.


Tabelle  Infografik: Inflationsraten seit 2004


Um die Inflation im Zaum zu halten, wird die Regierung darum bald die Zinsen erneut erhöhen. Stephen Green, Chefvolkswirt der Standard Chartered Bank in Schanghai, erwartet bis Jahresende sogar noch zwei Zinsschritte. Die Chancen für eine baldige Erhöhung, bekräftigt er, seien „sehr hoch“.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die chinesischen Verbraucher werden den Gürtel noch enger schnallen müssen.

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