Thailand-Krise
Ausnahmezustand in Bangkok

Thailands Regierung hat über zwei von Regierungsgegnern besetzte Flughäfen in der Hauptstadt Bangkok den Ausnahmezustand verhängt. Polizei und Militäreinheiten versuchten, die Blockaden der Demonstranten aufzulösen, erklärte Ministerpräsident Somchai Wongsawat in einer im Fernsehen übertragenden Rede an die Nation am Donnerstag.

HB BANGKOK/HAMBURG. Die Proteste verursachten einen massiven wirtschaftlichen Schaden. Zuvor hatte der Regierungschef eine Rücktrittsforderung der Armee abgelehnt und das Militär vor einem Eingreifen in den Machtkampf gewarnt.

Somchais Weigerung verlieh Spekulationen neue Nahrung, die Streitkräfte bereiteten trotz gegenteiliger Bekundungen einen Putsch vor. Es wäre der 19. Putsch oder Putschversuch in den vergangenen 76 Jahren in Thailand. Vor zwei Jahren hatte das Militär Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, einen Schwager Somchais, mit einem Staatsstreich abgesetzt. Die Opposition und die Demonstranten an den Flughäfen werfen Somchai vor, ein Handlanger Thaksins zu sein.

Wegen der Flughafenbesetzung saßen tausende Touristen in Thailand fest. Die Fluggesellschaft Thai Airways zitierte eine Erklärung der Flughafenbetreiber, wonach die Schließung des internationalen Airports Suvarnabhumi bis Samstag 12.00 Uhr MEZ, die des Inlandsflughafens Dong Muang bis Freitag 12.00 Uhr MEZ dauern werde. Warum gerade diese Termine festgelegt wurden, war zunächst nicht klar.

Auf einer Sondersitzung in der Stadt Chiang Mai im Norden des Landes beriet das Kabinett über Maßnahmen gegen die Opposition. Deren Anhänger blockieren seit drei Tagen den Flughafen Suvarnabhumi. Mittlerweile legten sie auch den Inlands-Airport lahm und schnitten Bangkok damit vom Luftweg ab. „Wir werden nicht gehen. Wir werden menschliche Schutzschilde gegen die Polizei nutzen, falls sie uns auseinandertreiben will“, sagte der Anführer der Volksallianz für Demokratie (PAD), Suriyasai Katasila zu Reuters. Ein weiterer PAD-Vertreter erklärte: „Wir wissen, dass dies viele private Unternehmen trifft, der Grund des Problems ist aber die Regierung.“ Und diese Regierung gehe ihrem Ende entgegen.

Ein Regierungssprecher trat Gerüchten entgegen, Somchai wolle Armeechef Anupong Paochina absetzen, der den Ministerpräsidenten am Mittwoch zum Rücktritt aufgefordert hatte. Ein ranghoher Offizier erklärte, die Soldaten seien zu 100 Prozent einsatzbereit. In Militärkreisen hieß es, Heer, Marine und Luftwaffe hätten bis in die Nacht hinein über ein Eingreifen beraten. In Bangkok beendeten einige Büroangestellte den Arbeitstag vorzeitig. Die Vereinten Nationen rieten ihren Mitarbeitern, nach Hause zu gehen und dort zu bleiben.

Wegen der Besetzung der Flughäfen in Bangkok durch Demonstranten werden mehr als 1200 weitere deutsche Urlauber nicht nach Thailand fliegen. Mehrere Veranstalter strichen am Donnerstag ihre Reisen nach Bangkok mindestens bis zum Wochenende. Zugleich bemühte sich die Reisebranche um eine Lösung der Frage, wie ihre festsitzenden Gäste zurück nach Deutschland kommen können. Lufthansa (LH), Thai Airways und die Air-Berlin-Marke LTU stornierten am Donnerstag alle Abflüge nach Bangkok. Am Freitag wollen die Lufthansa und Thai Airways zwar wieder starten - allerdings zu zwei anderen Flughäfen in dem südostasiatischen Land.

Der für den späten Donnerstagabend geplante Lufthansa-Flug von Frankfurt/Main nach Bangkok sei auf 9.50 Uhr am Freitag verschoben worden, sagte LH-Sprecher Thomas Jachnow in Frankfurt. Die vollgebuchte Maschine steuere dann statt der Hauptstadt die Ferieninsel Phuket im Süden Thailands an. Von dort aus sollen die Passagiere auf dem Landweg in den Raum Bangkok gebracht werden. „Erstmals seit Jahren“ werde Lufthansa damit wieder in Phuket landen.

Die Thai Airways wird ihre Bangkok-Flüge ab München zunächst weiterhin nicht anbieten, sagte ein Firmensprecher. Von Frankfurt aus sei jedoch am Freitag und Samstag jeweils ein Ersatzflug nach U-Tapao südöstlich der thailändischen Hauptstadt geplant. Auf dem früheren Militärflugplatz stand am Donnerstagabend auch eine Maschine der LTU. Es werde „mit Hochdruck daran gearbeitet“, sie mit Urlaubern besetzt zurück nach Deutschland fliegen zu lassen, sagte eine Sprecherin der Air Berlin. Auch die Reiseveranstalter prüften intensiv, wie sie wartende Touristen zurückkehren lassen können, sagte der Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin, Torsten Schäfer. Er betonte, es gehe dabei „nicht um eine Evakuierung“, sondern um die Heimkehr von Urlaubern, die ohnehin aus Thailand abreisen sollten.

Die Veranstalter TUI, Dertour und Meier's Weltreisen sagten am Donnerstag allen Gästen ab, die bis Montag (1. Dezember) nach Bangkok fliegen wollten. Bei Dertour und Meier's sind nach Angaben einer Sprecherin in Frankfurt etwa 1100 Gäste betroffen, bei der TUI sind es rund 100. Der Reisekonzern Thomas Cook kündigte alle Reiseverträge mit Abflug nach Bangkok bis einschließlich Sonntag (30. November).

Reisen, die von Deutschland aus direkt nach Phuket führen, finden nach Angaben der Veranstalter weiterhin uneingeschränkt statt. Beide Flughäfen Bangkoks waren am Donnerstag weiter von Tausenden Anhängern des thailändischen Oppositionsbündnisses PAD besetzt. Die Regierung hat inzwischen den Ausnahmezustand über die Flughäfen verhängt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%