Thatcher polarisiert
„Ding Dong The Witch is Dead”

Dass Margaret Thatcher das britische Volk auseinander gerissen hat, war immer klar. Aber die Fans und Gegner nehmen jetzt sogar den Tod der „Eisernen Lady“ zum Anlass, die Spaltung des Landes mit Lust zu inszenieren.
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Das Ziel der Kampagne ist ein wenig makaber. Der alten Judy Garland-Song aus dem Film „The Wizard of Oz“ soll zur Hymne von Maggie Thatchers Todeswoche werden: „Ding Dong The Witch is Dead“. Das fröhliche Lied über den Tod der Hexe soll den Jubel begleiten, mit dem sich die einst von Thatcher zerschlagene britische Linke nun an ihrem Tod stärken will. Die Front der Thatcher-Gegner ist groß und bunt, aber ebenso stark ist die Fraktion der Trauernden auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Die Eiserne Lady hat das Land in ihrer Regierungszeit tief gespalten, ihr Tod treibt diese Spaltung noch weiter voran.

„Ich poliere meine Tanzschuhe für die Beerdigung“, freut sich die Lehrerin Sue Avenell. Sie ist schon im Rentenalter und erinnert sich an die großen Kämpfe der Achtziger Jahre, die Proteste gegen den Falklandkrieg, den langen Kampf der Bergarbeiter gegen die Schließung ihrer Zechen.

Andere sind jung, wie der 28-jährige Ray Thornton, der bei einem der ersten „Totenfeiern“ in Brixton der „Opfer des Thatcherismus“ gedachte. Vom Chaos der Siebziger Jahre, dem Niedergang Großbritanniens, den politischen Erpressungen der sozialistischen Gewerkschaften damals weiß er allenfalls aus Büchern etwas. „Thatcherismus ist nicht tot und es ist wichtig, dass die Leute auf die Straße gehen und der Regierung nicht erlauben, Thatchers Gedächtnis weiß zu waschen“.

Fußballspieler weigern sich, eine Trauerminute einzulegen. Die Kosten der Beerdigung von 10 Millionen Pfund werden debattiert. Warum soll die Öffentlichkeit ausgerechnet die Kosten der Beisetzung für die alte Dame tragen, die doch sonst alles privatisiert hat? Labour Abgeordnete schimpfen, Premier Cameron nutze den Tod Thatchers für Eigenpropaganda. Aber mit diesen Debatten kämpfen Briten in diesen Tagen nicht um das Gedächtnis von Thatcher, sondern ihre Sicht ihres Landes, seiner Geschichte, ihre eigene politische Position.

Eine Stunde, nachdem der Tod Thatchers bekannt wurde, fotografierte eine Fotografin für die „Daily Mail“ eine Delegation gut gekleideter Büroarbeiter in Anzug und Krawatte, die zum Haus Thatchers am Chester Square in Belgravia zog, um Blumen niederzulegen, Man sieht ihnen an, dass sie stolz auf ihre Leistung und auf ihr Geld sind. Nur zwei Frauen sind dabei.

Ein Blumenmeer wie beim Tode Prinzessin Dianas ist es nicht, aber immer noch werden an dem schwarzen Eisenzaun Blumen britische Flaggen, Karten mit Danksagungen abgelegt. Auf einer steht: „Für eine große Führerin, die eine Generation veränderte und Britannien wieder Groß machte. In Liebe. Rosemary“.

Umstritten ist Thatcher, weil sie den Konsens über Bord warf, der die alten Regeln der britischen Gesellschaft und nicht zuletzt ihren Klassencharakter steuerte, das vor allem im nostalgischen Rückblick harmonische Nebeneinander von Aristokraten und der Arbeiterklasse. Mit ihrer unsentimentalen Leistungsideologie war Thatcher für beide Seiten eine Herausforderung. Für sie war nicht soziale Abkunft, nicht einmal des Geschlecht entscheidend für den Erfolg eines Menschen, sondern Leistungsbereitschaft, Fleiß, Energie, Selbstverantwortung.

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Thatchers Vermächtnis

Kommentare zu " Thatcher polarisiert: „Ding Dong The Witch is Dead”"

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  • Thatcher the milksnatcher! Typisch für eine Frau absolut
    kaltherziger Politik!Habe in ihrer Geburtsstadt Grantham in Lincolnshire gearbeitet, nicht mal dort war sie beliebt!
    Frau der vertanen Chancen! Marc Oliver Ohm

  • pro-d
    Es ist durchaus richtig, was Sie schreiben, aber vergessen mal nicht eins: Thatcher war nicht die deutsche Regierungschefin!
    Genau wie Putin es jetzt in Rußland macht, vertrat sie gegenüber dem Ausland vehement die Interessen ihres eigenen Landes.
    Und bei uns? Deutschen Politikern ist so ein Ansatz völlig fremd geworden.

  • Thatcher hat die Briten dahin geführt wo sie heute stehen, kaum noch Industrieproduktion, das Geld soll von maroden Banken verdient werden. Das alles war ihre Idee, sie hat das Land an die Wand gefahren, kein Wunder daß viele Briten ihr keine Tränen nach weinen.

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