Thema Atomstreit ausgeklammert
Das Ende der Eiszeit in der Grünen Zone

Die USA und der Iran haben am Montag erstmals seit fast 30 Jahren offiziell auf hochrangiger Ebene verhandelt. Trotz gegenseitiger Kritik bezeichneten beide Seiten die Gespräche als positiv.

HB BAGDAD. Der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, sagte, es gebe eine breite Übereinstimmung, was die Irak-Politik der zwei Länder angehe. Beide wollten ein stabiles Land, das seine Sicherheit selbst gewährleisten könne. Sein iranischer Kollege Hassan Kasemi-Komi erklärte, man habe sich darauf geeinigt, die irakische Regierung zu unterstützen und zu stärken. Die Diplomaten trafen sich im Bagdader Büro des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki, der die Gespräche eröffnete. Der Streit um das Atomprogramm der Islamischen Republik stand nicht auf der Tagesordnung.

Er habe vom Iran gefordert, die Unterstützung für bewaffnete Gruppen im Irak zu stoppen, erklärte Crocker. Jetzt erwarteten die USA Taten vom Iran. „Tatsache ist, dass ein Großteil des Sprengstoffs und der Munition, den diese Gruppen benutzen, aus dem Iran kommt.“ Dessen Vertreter hätten die Vorwürfe erneut zurückgewiesen und seien nicht direkt auf die Forderungen der USA eingegangen. Die Iraner hätten dagegen kritisiert, dass die Ausbildung und Ausrüstung der neuen irakischen Armee durch das US-Militär unzureichend seien. Beides entspreche nicht den Aufgaben, vor denen die Soldaten stünden.

Kasemi-Komi sagte, seine Regierung habe angeboten, bei der Ausbildung des irakischen Militärs zu helfen. Crocker zufolge hat der Iran auch vorgeschlagen, für die drei Länder einen gemeinsamen Mechanismus zu schaffen, um die Sicherheit im Irak zu koordinieren. Er werde dies nach Washington weiterleiten, sagte Crocker. Beide Länder hätten aber keinen Termin für ein weiteres Gespräch vereinbart.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft begrüßte das Treffen. „Ich glaube, es ist gut, dass die amerikanische Regierung auch solche direkten Gespräche mit dem Iran sucht“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin.

Der irakische Ministerpräsident sagte den Verhandlungsteilnehmern vor Beginn der Gespräche, sein Land werde nicht als Basis für irgendwelche Angriffe auf Nachbarstaaten dienen. Damit bezog sich Maliki offensichtlich auf Befürchtungen des Iran, die USA könnten die Islamische Republik angreifen. Der Irak werde aber auch keine Einmischung in die eigenen Angelegenheiten dulden, erklärte Maliki.

Kurz nach Beendigung der Gespräche kamen bei einem Autobombenanschlag im Zentrum von Bagdad 24 Menschen ums Leben. 70 weitere Menschen wurden der Polizei zufolge verletzt.

Das Treffen markiert eine Wende in der US-Politik. Zunächst hatte sich US-Präsident George W. Bush geweigert, Gespräche mit dem Iran zu führen. Beide Länder haben ihre diplomatischen Beziehungen kurz nach der Islamischen Revolution im Jahr 1979 abgebrochen. Auf informeller Ebene gab es allerdings mehrfach Gespräche, etwa zum Thema Afghanistan.

Neben dem Atomstreit belasten zahlreiche weitere Punkte die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Zuletzt hielten US-Kriegsschiffe im Golf ein Manöver ab. Die Regierung in Teheran erklärte, sie habe ein Spionagenetz aufgedeckt, das von den USA und seinen Verbündeten betrieben worden sein soll. Der Iran strebt nach einer Vormachtstellung im Nahen Osten und versteht sich als Erzfeind der USA und dessen Verbündeten Israel.

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