Themen der Innenpolitik vordringlich
Meinungsforscher: „Labour wird Mehrheit verteidigen“

Robert Worcester ist Chef und Gründer des britischen Meinungsforschungsinstituts Mori. Das Interview führte Felix Schönauer.

Wer gewinnt am 5. Mai die Wahl in Großbritannien?

Alle Vorhersagen weisen darauf hin, dass die regierende Labour-Partei ihre Mehrheit verteidigt. Die Konservativen haben zuletzt deutlich aufgeholt. Tony Blairs Vorsprung könnte sich damit auf 70 bis 80 Sitze reduzieren. Das wäre weniger als die Hälfte dessen, was Blair im Moment hat.

Was sind die entscheidenden Faktoren?

Wie bei früheren Wahlen geht es vordringlich um die Innenpolitik: den Zustand des Gesundheitssystems, den Standard der Ausbildung und die allgemeine Wirtschaftslage. Auf diesen Feldern trauen die Wähler Labour mehr zu. Die Konservativen können beim Thema Asyl und Einwanderung punkten. Das wird in der Bevölkerung als wichtig wahrgenommen, ist aber eher ein Randthema. Auch der Irak spielt nur eine untergeordnete Rolle. Labour und Konservative haben beide den Krieg unterstützt.

Wie viele Wähler haben sich noch nicht entschieden?

Es kommt darauf an, wie man diese Gruppe definiert. Zehn Prozent der Briten sagen ausdrücklich, sie hätten sich noch nicht entschieden. Mehr als 40 Prozent räumen ein, dass sie ihre Entscheidung noch einmal überdenken könnten.

Mehr als die Hälfte der Wähler ist also noch unentschlossen?

So würde ich es nicht sehen. Labour und die Konservativen werden nicht weniger als je 30 Prozent der Stimmen bekommen. Die anderen Parteien kommen auf insgesamt 20 Prozent. Das Reservoir der Wechselwähler liegt damit bei einem Fünftel.

Warum hat Labour mehr Angst vor den eigenen Wählern als vor der Opposition?

Weil die Regierung massive Schwierigkeiten hat, ihre Klientel zu mobilisieren. Fast drei Viertel der konservativen Stammwähler gehen auf jeden Fall zur Wahl. Beim Labour-Anhang ist es nur etwas mehr als die Hälfte.

Die Liberal-Demokraten haben viele Sympathien gewonnen: Haben sie eine Chance?

Die Liberaldemokraten leiden unter dem britischen Wahlsystem. Sie fahren landesweit 20 Prozent der Stimmen ein. Damit liegen sie in den Wahlkreisen oft nur auf Platz zwei – aber nur der Gewinner zählt. Die Libdems enden oft als Brautjungfer, nur selten als Braut.

Quelle: Handelsblatt

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