#ThisIsACoup
Europaweiter Zorn über Griechenland-Bevormundung

Erst der Vorschlag des „temporären Grexit“ von Finanzminister Schäuble, dann eine lange Forderungsliste an das griechische Parlament - viele sehen darin eine Bevormundung Griechenlands, gar einen Staatsstreich von außen.
  • 9

DüsseldorfOb in Spanien, Deutschland oder einigen anderen europäischen Ländern: Die Kritik am Brüsseler Verhandlungsmarathon zur künftigen Spar- und Finanzierungspolitik in Griechenland nimmt zu. Das zeigt sich in der Nacht zu Montag in sozialen Netzwerken wie dem Kurznachrichtendienst Twitter. Dort solidarisieren sich viele Kritiker des Grexit-Vorschlags von Finanzminister Wolfgang Schäuble und der harten Haltung zahlreicher Regierungen gegenüber Griechenland unter einem Schlagwort: #ThisIsACoup.

Übersetzt bedeutet die Aussage so viel wie: „Das ist ein Staatsstreich.“ Und der Satz bekommt prominente Unterstützung. Der Hashtag sei „exakt richtig“, schreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger und Kolumnist der New York Times, Paul Krugman. Die von den Finanzministern der Euro-Zone diskutierten Forderungen an Griechenland seien „Wahnsinn“, so Krugman. Es handele sich bei dem Papier, um eine „komplette Zerstörung nationaler Souveränität“.

Die außenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Barbara Lochbihler, schreibt versehen mit dem Hashtag „ThisIsACoup“: „Sie reden von Vertrauen. Und legen ein Papier vor, das einer Erniedrigung gleichkommt.“

Eine Karikatur zeigt einen Sensenmann im Rollstuhl, der Schäuble darstellen soll, und mit seinem Werkzeug die griechische und europäische Fahne zerschneidet.

Der Finanzminister muss auch weitere scharfe Kritik über sich ergehen lassen. Als Anführer eines „Neokolonialismus“ wird er gesehen und ihm wird vorgeworfen, sich nicht mit einer Kapitulation Griechenlands - wie das Reform-Papier Tsipras' teilweise gesehen wird - zufrieden zu geben, sondern auch noch eine Demütigung zu verlangen.

Vor allem Sozialisten werten die Vorschläge aus Deutschland und Brüssel als Angriff auf demokratische Grundsätze.

Doch es gibt auch Gegenstimmen wie die von Gergely Polner, der die Interessen der britischen Großbank Standard Chartered gegenüber der EU vertritt. „Wenn Sie denken: #ThisIsACoup, liegen Sie falsch“, schreibt er. „Gläubiger haben die rechtliche Verpflichtung, das Geld ihrer Steuerzahler so gut zu schützen, wie es irgendwie geht.“

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " #ThisIsACoup: Europaweiter Zorn über Griechenland-Bevormundung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit dem Nobelpreis geadelte Ökonomen, wie Paul Krugman, werden ihre Meinung - die jeder wirtschaftlichen Vernunft eines durchschnittlich begabten Bürgers widerspricht - auch dann noch aufrecht erhalten, wenn diese erneut widerlegt wird. Bezeichnenderweise dozieren solche Experten,
    ohne eigenes Geld zu investieren, wie etwa Herr Warren Buffet.
    Wenn Herrn Krugman Griechenland so am Herzen liegt, sollte er sich doch der Regierung Tsipras als wirtschaftlicher Berater andienen - pro bono - versteht sich.

  • Die Radikalität der Forderungen ist doch nur Ausdruck eines absolut berechtigten Misstrauens in einen Staat, der nicht überlebensfähig ist und der es bis heute nicht geschafft hat, aus freien Stücken oder purem Selbsterhaltungstrieb Reformen im eigenen Land umzusetzen. Wer hat denn Deutschland die Pistole an den Kopf gesetzt um die Rente mit 67 und Hartz IV einzuführen, Steuerbetrüger mit angekauften CDs zu verfolgen oder nun schon durh harte Sparmaßnahmen im zweiten Jahr eine schwarze Null bei der Staatsverschuldung einzuhalten? Niemand.
    Diese Selbsterkenntnis zur Veränderung geht Griechenland vollständig ab und zwingt Europa zu solchen nie dagewesenen Schritten.
    Wer sich alleine nicht mehr helfen kann oder will, der muss leider auf ein Stück Souveränität verzichten, wenn er Solidarität in diesen Größenordnungen erwartet.

  • Meiner Ansicht nach sollte man von Griechenland zwingend verlangen :

    1) Eine funktionierende Steuerverwaltung aufzubauen, dabei sollten erfahrene Finanzbeamte aus den EU - Staaten, bitte nicht nur aus Deutschland ! helfen.

    Dann könnten auch Steuern erhoben und eingetrieben werden.

    2) ein geordnetes Katasterwesen aufzubauen, auch hier mit europäischer Hilfe.

    Die erforderliche Hard- und Software könnte man Ihnen ja kostenlos im Rahmen der Hilfsmassnahmen zur Verfügung stellen.

    Aber es wwird wohl so kommen wie immer, in spätestens 1 Jahr geht das Geeiere um das nächste Hilfspaket wieder los.

    Wann bricht dieses EUTOPIA mit dem neuen Götzen EURO endlich zusammen ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%