Thronfolger träumt vom Sieg
Schah-Sohn plant Umsturz im Iran

Resa Pahlavi, Sohn des letzten Schah im Iran, will nach 28 Jahren im Exil an die Spitze der Oppositionsgruppen rücken, um den Widerstand gegen das iranische Regime zu organisieren. Seine eigene Rolle in einem neuen Iran lässt er jedoch offen.

HB INNSBRUCK. Von ganz links und schräg unten aus gesehen, reckt sich der Habsburgische Doppeladler direkt über dem Haupt Seiner Majestät. Natürlich ist das garantiert ein Zufall, aber eben einer mit Symbolgehalt. Der Mann sitzt in einem wie ein Glaswürfel konstruierten Gebäude gegenüber der alten Hofburg von Innsbruck. Beifall von vielleicht 20 Gästen, vorwiegend Österreichern und zwei, drei Iranern hat ihn an diesem Morgen, an dem die Berge rundum schon tief verschneit sind und Innsbruck verschlafen wie das Tor zur Provinz daliegt, begrüßt. Reza Pahlavi strahlt.

Reza – wer? Der 48-jährige Mann im taillierten Nadelstreifenanzug, dessen dunkles Haar so akkurat sitzt, als hätte heute Morgen noch sein Hoffriseur Hand angelegt, trägt eine Anstecknadel am Revers mit den Farben des Irans: Grün, Weiß und Rot. In der derzeit verwendeten Version der Flagge lassen sich oberhalb und unterhalb des weißen Streifens der Ruf „Gott ist groß“ lesen sowie das stetig wiederholte Datum der Rückkehr des Religionsführers Ajatollah Khomeini. In der Fahnenmitte befinden sich eigentlich vier angedeutete Halbmonde, die für die Ausbreitung des Islams stehen. Ein Schwert demonstriert Stärke. Bei Reza Pahlavis Version prangt anstelle des Halbmonds und der Schrift ein goldener Löwe auf der Anstecknadel.

Pahlavi ist der Sohn des letzten Schahs von Iran, der den gleichen Namen trug. Der Thronfolger ist auf Einladung des renommierten Management Center Innsbruck hierhergekommen, um vor handverlesenen Gästen seine Vorstellung über die Zukunft jenes Landes auszubreiten, dessen Regime durch sein Atomprogramm, seine Attacken gegen die USA und Israel und seine Äußerungen zum Holocaust die Welt in Atem hält. „Demokratie ist – bei Gott – auch das Beste für uns“, sagt Pahlavi.

Rückblende. Im Iran des Jahres 1978 überschlagen sich die Ereignisse. In Isfahan wird ein Taxifahrer von einem amerikanischen Unteroffizier erschossen. Es kommt jedoch zu keinem Prozess, weil der Schah ein Gesetz erlässt, das der iranischen Justiz die Möglichkeit nimmt, einen ausländischen Militärangehörigen vor Gericht zu stellen. Die Folge ist ein gewalttätiger Volksaufstand, der von der kommunistischen Partei angeheizt wird und auch in Streiks auf den Ölfeldern Südirans mündet. Aus dem französischen Exil heraus organisiert Ajatollah Khomeini seine Untergrundbewegung. Daneben führen maoistisch geprägten Volksmudschahedin einen Guerillakrieg.

Im Palast von Teheran residieren Mohammad Reza Pahlavi und seine Frau Farah Diba Pahlavi. Das Paar, das wie aus einem Märchen aus 1001 Nacht erscheint, polarisiert. Farah Diba ist die Lady Di der sechziger Jahre. Reza Pahlavi dagegen gilt vielen als Marionette der Amerikaner. Unvergessen ist der Besuch 1967 in Berlin: Gemeinsam mit Bundespräsident Heinrich Lübke sitzt das Paar in der Deutschen Oper und lauscht den Klängen der „Zauberflöte“, als 100 Meter entfernt ein Kriminalbeamter den Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen die Unterdrückung in Iran erschießt.

Der Thronfolger ist damals sieben Jahre alt. Er kann sich erinnern – nicht an die Vorfälle in Berlin, aber an das Leben im Palast. In einem Seitenflügel hat er gewohnt, hat gemeinsam mit anderen Kindern von Regimeanhängern eine Privatschule auf dem Gelände besucht. Später dann sei er „inkognito“ ausgegangen, berichtet er. Er habe sich als „adoptierter Sohn des Volkes“ gefühlt. Das Gefühl dürfte den Sohn getrogen haben. Der Schah gerät 1978 derart unter Druck, dass er das Kriegsrecht ausruft und eine Militärregierung eingesetzt wird. Am. 16. Januar 1979 verlässt die Familie Pahlavi den Iran. „Ich bin müde und benötige dringend Erholung“, sind die letzten aus dem Iran überlieferten Worte des Schahs. Ein Jahr später stirbt er im Exil in Kairo. „Ich bin froh, dass er das, was dann in Iran passierte, nicht mehr erlebt hat“, sagt der Sohn heute.

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