Tibet
China protestiert gegen EU-Einladung an den Dalai Lama

Die chinesische Regierung kritisiert, dass das geistliche Oberhaupt der Tibeter vor dem Europäischen Parlament sprechen soll. Derweil hat der Kapitän der indischen Fußball-Nationalmannschaft seine Teilnahme am olympischen Fackellauf wegen Tibet abgesagt.

HB PEKING/TOKIO. China hat gegen die Einladung des Europa-Parlaments an den Dalai Lama und einen Zwischenstopp des religiösen Oberhauptes der Tibeter nächste Woche in Tokio auf seinem Weg in die USA protestiert. Die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Jiang Yu, sagte am Dienstag: „Wir lehnen es ab, wenn Vertreter anderer Staaten über die separatistischen Aktivitäten des Dalai Lama hinwegsehen oder diese unterstützen.“ Der deutsche Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU) hatte den Dalai Lama eingeladen, vor den europäischen Abgeordneten zu sprechen.



Auf einer Reise in die USA will der Friedensnobelpreisträger aus seinem Exil in Indien kommend am Morgen des 10. April zudem auf Tokios Flughafen Narita landen. Wie sein Büro in Tokio bestätigte, wolle der Dalai Lama noch am gleichen Nachmittag in die USA reisen. Abhängig davon, wieviel Zeit er vor dem Weiterflug habe und wie groß das Interesse sei, werde der Dalai Lama möglicherweise vor die Presse treten. Gespräche mit japanischen Politikern seien jedoch nicht geplant, hieß es in Medienberichten. Der Dalai Lama war zuletzt im November nach Japan gereist, wo er Vorträge hielt und den Generalsekretär der größten Oppositionspartei DPJ, Yukio Hatoyama, traf. Medienberichten zufolge will der Dalai Lama Mitte dieses Monats eine Rede in der US-Stadt Seattle halten.



Aus Protest gegen das chinesische Vorgehen in Tibet hat der Kapitän der indischen Fußball-Nationalmannschaft unterdessen seine Teilnahme am olympischen Fackellauf abgesagt. Aus dem indischen Sportministerium hieß es, die Absage Bhaichung Bhutias an dem Fackellauf am 17. April in Neu Delhi sei per Fax eingegangen. Bhutia stammt aus dem an Tibet angrenzenden nordostindischen Bundesstaat Sikkim und gehört der buddhistischen Minderheit an. Der „Times of India“ sagte Bhutia: „Dies ist meine Art, dem tibetischen Volk beizustehen. Ich verabscheue Gewalt in allen Formen.“ Er sei von keiner Gruppe zur Absage gedrängt worden. Bhutia betonte: „Ich habe das Gefühl, dass das, was in Tibet geschieht, nicht richtig ist.“



Der Fußballer gehört zu mehreren indischen Sportlern, die von der Indischen Olympischen Vereinigung (IOA) eingeladen worden waren, das Olympische Feuer durch die indische Hauptstadt zu tragen. Die IOA untersteht dem Sportministerium. In Indien haben rund 100 000 Exil-Tibeter Zuflucht gefunden. Auch das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, lebt seit 1959 in Indien. Beim Fackellauf in Delhi werden Protestaktionen der Exil-Tibeter erwartet.



Die indische Regierung hatte den Dalai Lama am Montagabend aufgefordert, auf die indisch-chinesischen Beziehungen Rücksicht zu nehmen. Der indische Außenminister Pranab Mukherjee sagte bei einem Besuch im ostindischen Bundesstaat West Bengalen, der Dalai Lama sei ein religiöser Anführer und ein respektierter Gast. Er habe volle Freiheit, Religion in Indien zu predigen. Er dürfe sich in Indien aber nicht in einer Weise politisch betätigen, „die die indisch- chinesischen Beziehungen schädigt“.

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