Tibet-Konflikt
Olympische Flamme erlischt im Chaos

„Rettet Tibet“ fordern die Demonstranten in Paris auf ihren Plakaten und Spruchbändern. Mit ihren Protesten unterbrachen sie den olympischen Fackellauf, die Fackel erlosch sogar kurzzeitig. 3 000 Polizisten in voller Montur versuchen das Chaos in den Griff zu bekommen.

HB PARIS/PEKING. Nach London haben auch in Paris pro-tibetische Demonstranten den olympischen Fackellauf massiv gestört. Wegen der Proteste musste das Feuer auf der letzten europäischen Etappe der Fackel am Montag sogar kurzfristig gelöscht werden. Am Rande des Laufes kam es zu heftigen Rangeleien und Festnahmen.

Die Polizei griff bereits kurz nach dem Start am Eiffelturm ein und brachte die Flamme in einem Bus in Sicherheit. Sie gab ein technisches Problem als Grund für das Ersticken des Feuers an. Die Fackel sei aber bereits nach kurzer Zeit wieder entzündet und der Lauf fortgesetzt worden, sagte ein Sprecher.

Vor der Unterbrechung versuchte ein Mitglied der Grünen Partei, die Flamme dem ersten Träger, dem früheren 400-Meter-Hürden-Sprinter Stephane Diagana, zu entreißen. Diagana trug aus Sympathie mit Tibet ein Band mit der Aufschrift „Für eine bessere Welt“. Dazu hatten die im Nationalen Olympischen Komitee organisierten Athleten aufgerufen. China hat mit der Niederschlagung der jüngsten Proteste in der Himalaya-Region weltweit Kritik ausgelöst.

„Boykottiert chinesische Waren“ und „Rettet Tibet“ forderten die Demonstranten auf ihren Plakaten und Spruchbändern, die sie zu Tausenden an die insgesamt 28 Kilometer lange Strecke bis ins Stadion Charlety am südlichen Stadtrand mitgebracht hatten. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe ließ vor dem Rathaus ein riesiges Plakat mit der Aufschrift „Paris unterstützt die Menschenrechte auf der ganzen Welt“ anbringen. Die Tageszeitung „Liberation“ machte mit der Schlagzeile „Befreit die Olympischen Spiele“ auf und veröffentlichte ein Bild der Olympischen Ringe in Handschellen.

Die Polizei war mit mehr als 3000 Kräften in voller Montur ausgerückt. Die Beamten versuchten die Menschen mit Absperrgittern und durch eine enge Begleitung der Läufer auf Inline-Skatern von der Flamme fernzuhalten.

Bereits am Sonntag hatten Demonstranten in London für chaotische Szenen während des Fackellaufs gesorgt und die Veranstalter mehrfach dazu gezwungen, die Flamme in Sicherheit zu bringen. Mehr als 35 Menschen wurden festgenommen. Von Paris aus wird das Feuer nach San Francisco in den USA gebracht, wo ebenfalls Proteste erwartet werden. Auf ihrem Lauf rund um die Welt soll sie zudem auch durch das Tibet-freundliche Indien und die Himalaya-Provinz selbst getragen werden, bevor sie am 6. August am Austragungsort Peking eintrifft.

China verurteilte die europäischen Proteste gegen den als „Reise der Harmonie“ angekündigten Fackellauf in scharfen Worten. Die Störungen seien „abscheuliche Missetaten“ tibetischer Separatisten, sagte eine chinesische Olympia-Sprecherin in Peking. Die friedliebende Welt werde sich davon distanzieren und den Lauf voll und ganz unterstützen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) äußerte sich „sehr besorgt“ über die Ereignisse. „Der Fackellauf ist zur Zielscheibe geworden“, warnte IOC-Präsident Jacques Rogge in Peking in einer Rede vor der Vereinigung Nationaler Olympischer Komitees. Zugleich rief er die kommunistische Führung zu einer schnellen und friedlichen Lösung in Tibet auf. Das Nationale Olympische Komitee von Norwegen forderte eine Überprüfung der bisherigen Pläne für den Fackellauf. Sollten die Demonstrationen anhalten, „könnte das IOC ein größeres Problem bekommen“, gab die Komiteechefin Tove Paule zu Bedenken.

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