Tibetische Flüchtlinge
Ein Leben ohne Identität

In Nepal leben Tausende Flüchtlinge aus Tibet, die systematisch unterdrückt werden: Sie bekommen keine Papiere und werden so ihrer Zukunft beraubt. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat.
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PokharaAls im Jahr 1959 der Dalai Lama ins indische Exil floh, machten sich auch die Eltern von Tsultrim Dorjee auf den Weg. Sie gehörten zu den ersten 20.000 tibetischen Flüchtlingen, die nach der chinesischen Besetzung ihres Landes in Nepal ankamen. Der einmonatige Marsch durch das Hochland war für die Familie nervenaufreibend und tragisch. Noch bevor die Familie ihr Ziel erreichte, verlor die Mutter fünf ihrer Söhne und ihren Mann.

Dorjee wurde auf der Flucht geboren. Heute ist er 54 Jahre alt. Sein Haar ist grau, tiefe Falten zeichnen sich um seine Augen ab. Er ist Sozialarbeiter in einem Flüchtlingslager für Tibeter in Nepal. Ihre Geschichte ist auch seine: Dorjee wuchs in mehreren Flüchtlingslagern auf, eine Heimat ist ihm das Land nie geworden. „Ich spreche Nepalesisch und ich sehe aus wie ein Nepalese. Meinen Namen können die Nepalesen aber nicht richtig aussprechen“, sagt Dorjee. Laut und deutlich sagt er dann seinen Vornamen – „Tsultrim“. Auf tibetisch heiße das Moral.

Womit er aber am meisten zu kämpfen habe, sagt Dorjee, sei die mangelnde Anerkennung durch Nepals Regierung. In den 1950er und 1960er Jahren erhielten die tibetischen Flüchtlinge Ausweisdokumente, seit 1989 müssen sie ohne auskommen. Alte Papiere werden nicht erneuert. Heute hat die Hälfte der rund 13.500 tibetischen Flüchtlinge in Nepal keine Flüchtlingsausweise. Und ihre Zahl wächst, wie die Tibetische Exilregierung im indischen Dharamsala berichtet.

Dabei sind Papiere nicht nur zum Reisen notwendig. In Nepal braucht man sie, um ein Bankkonto eröffnen zu können, einen Führerschein zu beantragen, Arbeit zu finden, zu wählen oder zu studieren. „Einige bestechen Beamte und kaufen sich die Staatsbürgerschaft“, erklärt Dorjee. „Aber nicht jeder kann das tun.“ Pläne, tibetischen Flüchtlingen wieder Ausweise auszustellen, gibt es laut Innenministerium nicht.

Und damit nicht genug. „Der Staat hat immer wieder rigoros gegen tibetische Flüchtlinge durchgegriffen und dafür diverse Ausreden benutzt“, sagt Bhawani Prasad Kharel, Generalsekretär der Organisation National Human Rights Foundation, die sich für die Rechte tibetischer Flüchtlinge einsetzt. Die Polizei nehme willkürlich Leute fest. Oft würden Fälle von Belästigung oder Erpressung nicht aufgeklärt. „In Nepal die Stimme zu erheben, ist für sie (die Flüchtlinge) nicht so leicht wie in Indien. Das liegt am Druck, den China auf die Regierung ausübt“, sagt Kharel.

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  • Es fällt mir sehr viel leichter mit den Exil-Tibetern mit zu fühlen als mit denjenigen Flüchtlingen, die einige tausend Kilometer weiter westlich ansässig sind und nahezu täglich Raketen gegen Bürger eines freien, demokratischen Landes abfeuern!

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