Tiran und Sanafir
Ägyptens undurchsichtiger Insel-Deal

Zwei Inseln im Golf von Akabar gehören seit Menschengedenken Ägypten. Doch Kairo betont nun plötzlich angebliche Ansprüche Saudi-Arabiens. Kritiker wittern einen Kotau vor dem reichen Nachbarn.

KairoIn anderen Weltregionen streiten Nachbarn erbittert um Territorium und Seegebiete – Ägypten aber will Saudi-Arabien freiwillig zwei Inseln im Roten Meer überlassen. Die Eilande Tiran und Sanafir am Golf von Akaba stünden Riad rechtmäßig zu, erklärt die Regierung in Kairo wortreich. Viele Bürger sind perplex.

„Die Regierung überrascht mit einer Entscheidung 90 Millionen Ägypter, die seit Kindertagen an das Gegenteil gewöhnt waren“, sagte der Autor Ibrahim Eissa in seiner Fernsehsendung. „Deshalb ist das besorgniserregend und erschreckend.“

Die Ablehnung ist erbittert, der Spott für die Regierung im Internet beißend. Denn Ägypten fühlt sich ohnehin krisengeschüttelt und angezählt, und viele Bürger sehen die Nation in ihrem Stolz verletzt, wenn nun einfach auch noch Land abgetreten wird. Kritiker werfen Präsident Abdel-Fattah al-Sisi nicht nur selbstherrliches und undurchsichtiges Gebaren vor, sie vermuten überdies einen Kotau ihres wirtschaftlich gebeutelten Landes vor dem mächtigen und reichen Saudi-Arabien.

Erst am Sonntag jubelten Al-Sisis Anhänger im Parlament, das letztlich auch über das Inselabkommen zu befinden hat, dem saudischen König Salman zu. Schon zum Empfang des Monarchen standen sie auf und klatschten, die nur sechsminütige Ansprache Salmans wurde mehrfach durch Applaus unterbrochen. Abgeordnete trugen Gedichte mit Lobpreisungen des Königs vor.

In den sozialen Netzwerken empören sich hingegen viele unter dem Hashtag „Awad verkaufte sein Land“ über den Insel-Deal. Es ist ein Hinweis auf ein Radiospiel der 1960er Jahre über einen Mann, der seinen Acker verkaufte – was im ländlichen Ägypten als ehrenrührig galt. „Hier, hier Pascha, eine Insel für eine Milliarde, eine Pyramide für zwei, und dann leg ich noch zwei Statuen drauf“, twitterte der im Exil lebende ägyptische Kabarettist Bassem Jussef.

Tiran, nur etwa sechs Kilometer vom ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich und der Sinai-Halbinsel gelegen, ist die größere der beiden Inseln und inzwischen ein beliebtes Touristenziel. Für viele Ägypter ist sie aber historisch eng verbunden mit den vier Kriegen des Landes gegen Israel in den Jahren 1948 bis 1973. Israel besetzte die Inseln 1967, gab sie aber im Friedensvertrag von 1979 an Ägypten zurück.

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