Tod bin Ladens
„Bumm! Dann ging er zu Boden“

Wie fühlt man sich, nachdem man den meistgesuchten Terroristen getötet hat? Was passierte in jener Nacht, in der Osama bin Laden erschossen wurde? Der Schütze erzählte nun erstmals öffentlich seine Geschichte.

New YorkAls alles vorbei ist, beißt der Mann, der offiziell nur „Der Schütze“ genannt wird, im fernen Jalalabad in sein Bacon-Käse-Sandwich. Im Fernsehen verfolgt er live, wie US-Präsident Barack Obama gerade mit einer historischen Nachricht vor die Kameras tritt: Osama bin Laden ist tot. Erschossen von Team 6, einem Kommando der Eliteeinheit Navy Seals.

Erschossen von ihm, dem „Shooter“. Doch das wissen nur die Wenigsten, denn die Details des Einsatzes sind geheim.

Der Soldat sitzt in einer Halle auf dem US-Stützpunkt in Afghanistan, blickt auf den Präsidenten im Fernsehen, dann neben sich auf die Leiche des meistgesuchten Terroristen der Welt. „Da dachte ich, wie zur Hölle bin ich hier hergekommen? Das ist alles zu viel“, erinnert er sich. „Ich wusste noch nicht, ob es etwas Gutes oder Schlechtes war.“

Es sind seltene Einblicke in die letzten Stunden bin Ladens, die der „Schütze“ dem Journalisten Phil Bronstein da gewährte. In einem langen Porträt im Magazin „Esquire“ erzählt der Soldat erstmals öffentlich, wie er jene Nacht des Sturms auf bin Ladens Anwesen im pakistanischen Abbottabad erlebte. Und er schildert die Schwierigkeiten, ins zivile Leben zurückzukehren, ohne Job und soziale Absicherung. Die Angaben sind nicht verbürgt und in einem derart auf Geheimnisse bedachten Umfeld schwer zu verifizieren.

Nach langer Vertrauensarbeit über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr hatte der preisgekrönte Autor den 35-jährigen Ex-Soldaten aus Virginia zum Reden gebracht. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein anderes Mitglied des Team 6, Matt Bissonnette, seine Erlebnisse in einem Buch geschildert und den Ärger des Pentagons auf sich gezogen. Soldaten sind verpflichtet, dem Verteidigungsministerium ihre Texte vor Veröffentlichung zu übermitteln, damit keine sensiblen Informationen nach außen dringen. Der „Esquire“-Artikel wurde laut Pentagon nicht eingereicht.

Bronstein bezeichnet den Mann, der bin Laden tötete, nur als „den Schützen“. Die wahre Identität des Ex-Soldaten bleibt aus Angst vor Racheaktionen geheim.

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