Tod des ehemaligen Taliban-Kommandeurs ist unklar
Afghanistan: USA bedauern Tod von Kindern

Einen Tag nach dem US-Angriff in Afghanistan, bei dem neun Kinder starben, versuchen die USA den Einsatz zu rechtfertigen. Ziel sei ein Terrorist gewesen. Unklar ist, ob der getroffen wurde.

HB BERLIN. Der Tod von neun Kindern bei einem US-Luftangriff belastet erneut das Verhältnis zwischen Amerikanern und der afghanischen Bevölkerung. Der Angriff bei Ghasni, 160 Kilometer südwestlich der Hauptstadt, richtete sich gegen den früheren Taliban-Kommandeur Mullah Wasir, wie der US-Botschafter in Kabul, Zalmay Khalilzad, mitteilte. Unklar ist indes, ob dieser auch tatsächlich getötet wurde, wie ein US-Militärsprecher am Samstag berichtete. Der Gesuchte sei beim Angriff des A-10-Kampfflugzeugs in seinem Versteck gestorben, sagte der Sprecher. Hingegen sagte der Sekretär des Gouverneurs von Ghasni, Dschawaid Chan: «Die Amerikaner wollten Mullah Wasir bombardieren, aber sie haben ein anderes Haus bombardiert.» Wasir sei nicht getötet worden.

Unklar war einen Tag nach dem Angriff ebenso, warum eine solch große Anzahl von Zivilisten, zumal des Terrorismus vollkommen unverdächtige Kinder, dabei ums Leben kamen. «Wir wussten nicht, dass Kinder in der Nähe waren», sagte der amerikanische Major Christopher West auf dem US-Stützpunkt Bagram. Nach US-Angaben gingen dem Angriff intensive Erkundungen voraus. Chan warf den USA vor, der Angriff habe die Bevölkerung der Ortschaft Atla in Angst und Schrecken versetzt. «Sie haben keine Ahnung, warum die Amerikaner ihr Dorf bombardiert haben.»

Der Tod von Dorfbewohnern bei Einsätzen der 11.500 Soldaten unter US-Befehl hat schon wiederholt für tiefen Unwillen in der Bevölkerung gesorgt. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich im Juli 2002: Damals wurde in der an Ghasni angrenzenden Provinz Urusgan ein Hochzeitsfest aus der Luft bombardiert; nach afghanischen Angaben kamen 48 Menschen ums Leben und 117 wurden verletzt.

Aber auch in diesem Jahr gab es schon mehrfach Angriffe, bei denen nicht nur Taliban- und Al-Qaeda-Kämpfer getötet wurden. Am 9. April wurde irrtümlich ein privates Wohnhaus bombardiert; elf Menschen kamen ums Leben. Mindestens acht wurden am 31. Oktober beim Angriff auf ein Haus in der Ostprovinz Nuristan getötet.

US-Botschafter Khalilzad sagte, er sei über den «tragischen Verlust von unschuldigem Leben» zutiefst traurig. Dies habe er auch Ministerpräsident Hamid Karsai in einem Telefongespräch versichert. Und Major West betonte: «Wir folgen genauen Regeln für den Kampfeinsatz, um solche Art von Zwischenfällen zu vermeiden, wenn wir Terroristen angreifen, welche die Zukunft Afghanistans bedrohen.»

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