Tod des früheren EZB-Chefs
Köhler und Schröder würdigen Duisenbergs Verdienste

Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder haben die Verdienste des am Wochenende gestorbenen früheren EZB-Chef Wim Duisenberg um die europäische Währungsunion gewürdigt.

HB BERLIN. In einem Beileidstelegramm an Duisenbergs Witwe Gretta schrieb Schröder am Montag: „Wim Duisenberg hat sich als erster Präsident der Europäischen Zentralbank bleibende Verdienste um die europäische Einigung erworben.“ Durch die erfolgreiche Umsetzung der bisher größten Währungsumstellung habe er für den Euro Vertrauen geschaffen. Vor allem in Deutschland, aber auch weit über Europa hinaus, habe er Respekt und Anerkennung gewonnen. Auch die EZB und die Niederländische Zentralbank, der Duisenberg lange vorstand, hoben seine Verdienste hervor. Duisenberg war am Wochenende Polizeiangaben zufolge nach Herzproblemen im Pool seines Hauses in Südfrankreich ertrunken.

Duisenberg war von 1998 an der erste Präsident der EZB und damit einer der mächtigsten Banker der Welt. Als EZB-Chef hat er maßgeblichen Anteil am Gelingen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, das viele Ökonomen als größtes wirtschaftliches Experiment der Geschichte bezeichnen. Unter seiner Führung stellte die Zentralbank stabile Preise für den neu geschaffenen Währungsraum aus zwölf Ländern sicher und bewältigte die Mammutaufgabe, mehr als 300 Millionen Menschen mit neuem Geld zu versorgen.

Köhler, der bis zum vergangenen Jahr Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) war, schrieb in seinem Telegramm: „Ich habe einen guten Freund verloren, auf dessen Rat und klares Urteil ich immer vertrauen konnte.“ Die Bürger Europas trauerten um einen Mann, der die Währungsunion entscheidend vorangebracht hat. „Wim Duisenberg strahlte Klarheit und Verlässlichkeit aus und schuf Vertrauen in die gemeinsame Währung.“ Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erklärte: „Er stand mit seiner ganzen Persönlichkeit für die Unabhängigkeit der EZB.“ Sein Name werde immer mit dem Euro verbunden bleiben.

„Der erste Präsident der Europäischen Zentralbank spielte eine beachtliche Rolle im Aufbau Europas“, würdigte sein Nachfolger, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, den Niederländer, der erst vor wenigen Wochen seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte. Führung und Mitarbeiter der EZB seien zutiefst traurig, Duisenbergs Tod sei ein schrecklicher Verlust, erklärte die EZB. Duisenberg hatte nach einer informellen politischen Vereinbarung, die Frankreich erzwungen hatte, nicht die volle achtjährige Amtszeit ausgeübt. Im Herbst 2003 räumte er seinen Posten für den Franzosen Trichet.

Auch die niederländische Zentralbank, deren Präsident Duisenberg von 1982 bis 1997 war, fand bewegende Worte. „Wim Duisenberg bedeutete viel für die Niederlande und für Europa. Die niederländische Zentralbank liebte ihn und er liebte die Bank.“

Unnahbarkeit, wie sie mancher Präsident der Deutschen Bundesbank ausstrahlte, lag dem hünenhaften Mann mit der markanten schlohweißen Haarmähne fern. Fachleute zogen eine wohlwollende Bilanz seiner Führung der EZB in den ersten fünf Jahren, als es galt, das Vertrauen von Öffentlichkeit und Finanzmärkten in die neue Währung zu gewinnen. Tatsächlich hat die EZB die Inflationsrate meistens niedrig bei zwei Prozent halten können. Duisenbergs Kollegen im obersten Gremium der EZB schätzen vor allem, dass er den Rat der 18 Experten aus zwölf Ländern mit unterschiedlicher geldpolitischer Ausrichtung und Tradition zu einem entscheidungsfähigen Kollektiv verschmolz.

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