Tod des Oppositionellen
Zehntausende Iraner trauern um Montaseri

Die Opposition in Iran wagt eine weitere Machtprobe: Am Montag haben Berichten zufolge Zehntausende Regimegegner dem am Sonntag gestorbenen Großajatollah Hussein Ali Montaseri die letzte Ehre erwiesen. Die Trauerfeier wurde zu neuen Protesten gegen das Regime genutzt - die Opposition berichtet von ersten Zusammenstößen.
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HB TEHERAN. Auf Websites der Opposition wurde von ersten Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gesprochen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Ausländische Medien dürfen von der Veranstaltung in der Stadt Ghom nicht berichten. Nach Angaben von BBC wurde auch wieder versucht, die persisch-sprachigen Ausstrahlungen des britischen Senders in den Iran zu stören.

Anscheinend haben Gegner des Regimes von Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Trauerfeier zu einer Großdemonstration umfunktioniert. Unter den Teilnehmern sollen auch die Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi sein. Unklar war zunächst, ob auch die ehemaligen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani und Mohammed Chatami in Ghom, etwa 130 Kilometer südlich von Teheran, dabei waren.

Die Sicherheitskräfte in der Stadt waren nach Angaben von Beobachtern seit dem frühen Morgen in Alarmbereitschaft. Demnach wurden schon auf der Fahrt nach Ghom Demonstranten gestoppt. Oppositionelle berichteten, zumindest ein Bus mit Trauergästen sei auf der Fahrt angehalten worden. Aus Ghom selbst wurden nach BBC-Informationen mehrere Festnahmen berichtet.

Bereits auf dem Weg zur Beerdigung des Regimekritikers haben iranische Sicherheitskräfte Angaben der Opposition zufolge Anhänger von Hossein Ali festgenommen. Ein Bus mit Trauergästen sei in der Hauptstadt Teheran angehalten worden, berichtete die Reformer-Internetseite Kaleme am Montag. Vier Personen seien in Gewahrsam genommen worden. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge um Familienmitglieder von bereits inhaftierten Reformpolitikern sowie Menschenrechtler.

Der 87-jährige Großajatollah Hussein Ali Montaseri galt als einer der einflussreichsten kritischen Geistlichen im Iran und Gegner des umstrittenen Präsidenten Ahmadinedschad. Nach der islamischen Revolution 1979 hatte Revolutionsführer Ajatollah Khomeini den Großajatollah zunächst als seinen Nachfolger vorgesehen. Nachdem Montaseri sich aber zunehmend kritisch zur Entwicklung der Islamischen Republik geäußert hatte, fiel er in Ungnade.

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