Tod in London: Ein Mord, der für Putin zum Problem wird

Tod in London
Ein Mord, der für Putin zum Problem wird

Neun Jahre nach dem mysteriösen Tod des Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko beschuldigt ein britischer Untersuchungsbericht direkt Russlands Präsidenten. Zwischen den Ländern droht eine neue Eiszeit.

London328 Seiten umfasst der Bericht, den Richter Robert Owen zusammengestellt hat. Es ist die akribische Arbeit einer langen Recherche. Wer tötete 2006 den Kremlgegner Alexander Litwinenko – und in wessen Auftrag? Ein Jahr lang hatte sich Owen mit diesen Fragen beschäftigt. Doch der umfangreiche Report, den der Brite am Donnerstag vorlegte, ist nicht nur ein schweres Konvolut. Der Report hat auch das Gewicht, das britisch-russische Verhältnis zu einem neuen Tiefpunkt zu führen.

Denn das Ergebnis, zu dem Owen kommt, birgt politischen Sprengstoff: Der Kreml-Kritiker wurde demnach wahrscheinlich mit Zustimmung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ermordet. Den Giftmord habe wahrscheinlich der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, schreibt Owen, der die gerichtliche Untersuchung des Falls in London leitete, in seinem Abschlussbericht. Die Tat sei „wahrscheinlich gutgeheißen worden“ vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew „und auch von Präsident Putin“.

Neun Jahre nach dem mysteriösen Tod des Kreml-Kritikers könnte der Fall so eine neue Eiszeit zwischen Russland und Großbritannien auslösen. Denn die Briten richten damit den Finger auf die obersten Kreise der russischen Führung: Sie sollen den Mord am einstigen KGB-Agenten und späteren Kreml-Kritiker in Auftrag gegeben haben, der an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium-210 starb.

Dem damals 43-Jährigen soll das Gift in eine Tasse grünem Tee gemischt worden sein. Die Untersuchung sollte nun klären, wer für den Mord verantwortlich ist. Owen kann in seinem Bericht zwar nur Empfehlungen geben, strafrechtliche Konsequenzen hat dies keine – die Untersuchung war kein Prozess. Das bedeutet aber nicht, dass die umgerechnet rund drei Millionen Euro teure Ermittlung nun diplomatisch folgenlos bleibt.

So ist sich die Moskauer Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ bereits sicher, dass der Fall die Beziehungen zwischen Russland und England erneut vergiften wird. Denn die Affäre hatte die Beziehungen zwischen London und Moskau bereits einmal schon auf einen Tiefpunkt sinken lassen. Großbritannien wies nach dem Mord russische Diplomaten aus London aus – als Reaktion darauf, dass Moskau den von Scotland Yard verdächtigten russischen Duma-Abgeordneten und Ex-Agenten Andrej Lugowoi nicht ausliefern wollte.

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„Die Anschuldigungen gegen mich sind absurd“

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