Tod mit 69
USA trauern um Top-Diplomat Richard Holbrooke

Er war jahrelang für das Weiße Haus weltweit als Feuerwehrmann an Krisenherden im Einsatz und verdiente sich zum Schluss Lob für seine Afghanistan-Mission. Der Tod Richard Holbrookes wurde international mit Trauer aufgenommen. "Wir verlieren mit ihm einen guten Freund Deutschlands", erklärte Außenminister Guido Westerwelle.
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HB WASHINGTON/BERLIN. Trauer um einen "Giganten" der US-Außenpolitik: Führende Politiker und die Nato haben bestürzt auf den Tod des US-Sondergesandten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, reagiert. Der 69-jährige Top-Diplomat starb am Montagabend an den Folgen eines Risses in der Hauptschlagader. Holbrooke war vor allem als Architekt des Dayton-Friedensabkommens von 1995 bekanntgeworden, das den Krieg in Bosnien beendete.

Präsident Barack Obama würdigte ihn als einen Diplomaten, der durch seinen jahrzehntelangen Dienst dazu beigetragen habe, dass die Vereinigten Staaten und die Welt sicherer geworden sei. "Der Fortschritt, den wir in Afghanistan und Pakistan gemacht haben, ist nicht in geringem Maße seinem rastlosen Einsatz für Amerikas nationale Interessen sowie dem Einsatz für Frieden und Sicherheit zu verdanken", erklärte Obama.

Noch kurz vor Holbrookes Tod hatte Obama ihn als "einen Giganten der amerikanischen Außenpolitik" bezeichnet. Der afghanische Präsident Hamid Karsai äußerte sich "betrübt" über den Tod des US-Diplomaten. Die knappe Mitteilung des Präsidentenpalastes vom Dienstag geht auf die Errungenschaften Holbrookes für die Vereinigten Staaten ein, nicht aber auf diejenigen in Afghanistan. Das Verhältnis zwischen Karsai und Holbrooke galt als angespannt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte in Brüssel, bei der Neuausrichtung der internationalen Afghanistan-Strategie habe Holbrooke Wichtiges geleistet. "Wir bedauern von Herzen, dass er auch die Erfolge bei der Neuausrichtung dieser Strategie nicht mehr selbst erleben kann." Er fügte hinzu: "Wir verlieren mit einen guten Freund Deutschlands. Wir trauern mit seiner Familie und mit seinen Freunden."

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hob "die diplomatischen Fähigkeiten, die strategische Vision und die legendäre Entschlossenheit" des US-Diplomaten hervor. Der Kommandeur der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, David Petraeus, ehrte ihn, als "wahren Titanen". Es sei ein Privileg gewesen, eng mit dem Sonderbotschafter zusammenarbeiten zu dürfen.

Noch kurz vor seinem Tode half Holbrooke mit, den langerwarteten Fortschrittsbericht über den Krieg in Afghanistan auszuarbeiten, den die US-Regierung demnächst vorstellen will. Er war am Freitag während einer Sitzung im Washingtoner Außenministerium zusammengebrochen und wurde im Krankenhauses der George Washington Universität über 20 Stunden lang operiert. Dort starb er, wie der TV-Sender CNN berichtete.

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