Tod Montazeris
Iranische Opposition verliert ihren wichtigsten Mann

Iran sorgt im Nahen Osten weiter für Unruhe: Im Inneren spielt der Tod von Großajatollah Hossein Ali Montazeri dem Regime in die Hände. Nach außen gibt es Streit mit dem Irak um eine Ölquelle im Grenzgebiet. Wirtschaftlich zeichnet sich dagegen Entspannung ab.
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BERLIN. Durch den Tod des Großajatollahs Hossein Ali Montazeri hat Irans bedrängte Opposition ihren wichtigsten moralischen Unterstützer verloren. Montaseri (87) starb am Sonntag in der heiligen Stadt Qom. Er war der wichtigste Gegenspieler des Revolutions- und Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei und dessen Günstling, Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Nach der wegen massiver Fälschungsvorwürfe umstrittenen Wiederwahl Ahmadinedschads im vergangenen Juni hatte sich Montaseri auf die Seite der Opposition gestellt und das brutale Vorgehen der Regierung und ihrer Sicherheitskräfte scharf verurteilt.

Montazeris Tod kann die Position des Regimes festigen. Mit der Besetzung einer umstrittenen Ölquelle an der Grenze zu Irak brach die Regierung in Teheran jedoch einen weiteren Streit vom Zaun. Iran zog sich am Wochenende teilweise von der besetzten Ölförderstätte Al-Fakka zurück, doch beharrt Teheran auf seinen Ansprüchen für das Ölfeld.

Der Tod Montaseris, der heute in Qom beerdigt wird, wurde von den staatlichen Medien Irans weitgehend verschwiegen. Dennoch versammelten sich vor Montaseris Haus in Qom und in Teherans Universität hunderte Anhänger des als Mardshae Taghlid (Quelle der Weisheit) verehrten Großajatollahs. Der enge Weggefährte des Führers der islamischen Revolution von 1979, Ajatollah Ruhollah Chomeini, war der schärfste Kritiker des nunmehr mächtigsten Mannes der Islamischen Republik: Chamenei. Deshalb wurde er jahrelang in Qom unter Hausarrest gestellt.

Streit um Ölquelle kocht weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Massenproteste gegen die Wahlfälschungen zweifelte Montaseri die Rechtmäßigkeit des Urnengangs, den „Tod unschuldiger Menschen“ sowie „illegale Schauprozesse“ an. Iran sei seither weder islamisch, noch Republik, Chamenei nicht mehr legitimiert, er wandele nicht mehr auf dem Weg Gottes, sondern dem des Satans.

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  • Julia: Es ist schwierig, in dieser Situation verlässliche Prognosen über die weitere Entwicklung im iran zu machen. Vermutlich können das nicht einmal die Menschen im iran selbst...
    Aber Montazeri ist mit seinem Tod nicht aus den Reihen der Opposition verschwunden. Selbstverständlich kann er nicht mehr aktiv teilnehmen, aber er wird gerade zu einem Symbol und einem Märtyrer der bewegung und könnte möglicherweise als Toter noch wertvoller werden. ich bin ganz zuversichtlich, auch was die generelle Entwicklung der Lage angeht. Auch ein Vorgehen mit beispielloser brutalität, etwa durch die Verhaftung und Ermordung Mussavis und seiner Mitstreiter, wird die Demonstranten nicht dazu bringen, zu Hause zu bleiben.

  • Jede/r iranerin, die im iran diesen Artikel liest, muss sich fragen, wie im Unterschied zu einer Diktatur in freien Medien Artikel zustande kommen. Auf Videos sind Menschenmassen zu sehen, die werden zu Hunderten. Wo bekommt man solche informationen? Daneben grob gezimmerte Analysen und fehlendes Hintergrundwissen. bitte fragen sie doch jemanden, der sich mit dem iran auskennt oder sogar Farsi spricht! Danke!

  • Posauner: Kurzfristig betrachtet haben Sie sicher Recht. Langfristig betrachtet gibt Montazeris Tod aber schon Anlass zur Sorge, denn der Opposition geht mit Montazeri eine wichtige Stütze und integrationskraft verloren. Wir werden sehen, wie die Regierung auf die nun neu anschwellenden Proteste reagiert. Man kann durchaus das Schlimmste befürchten.

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