Tod von Zivilisten im irakischen Ischaki
US-Militär spricht Soldaten von Vorwurf frei

Das US-Militär hat Soldaten von dem Vorwurf freigesprochen, im März in der irakischen Stadt Ischaki absichtlich mehrere Zivilisten getötet zu haben. Die Untersuchungsergebnisse decken sich jedoch nicht mit den Schilderungen der Einheimischen.

HB WASHINGTON/BAGDAD. Eine Untersuchung habe kein Fehlverhalten ergeben, die Soldaten hätten sich bei dem Einsatz an die Standard-Vorschriften gehalten, teilte das Militär in Bagdad mit. Vorwürfe, die Soldaten hätten eine Familie in einem Haus regelrecht hingerichtet und dann versucht, dies mit Verweis auf einen Luftangriff zu vertuschen, seien absolut falsch. „Der Kommandeur der Bodentruppen hat sich an die Einsatzregeln gehalten“, sagte Generalmajor William Caldwell. Es gebe keinen Anlass zu Disziplinarmaßnahmen gegen die Truppen.

Der Vorfall in Ischaki ist einer von mehreren, in denen US-Soldaten die absichtliche Tötung von Zivilisten im Irak vorgeworfen wird. Im Mittelpunkt steht dabei ein mutmaßliches Massaker im westirakischen Haditha.

In dem Ischaki-Fall wurde untersucht, ob US-Soldaten am 15. März eine elfköpfige irakische Familie in einem Haus in der Stadt 100 Kilometer nördlich von Bagdad getötet haben. Nach irakischen Polizeiangaben wurden die fünf Kinder und sechs Erwachsenen durch Kopfschüsse getötet. Das US-Militär geht davon aus, dass bei der Verfolgung eines Aufständischen, der sich in das Haus geflüchtet habe, ein Rebell sowie zwei Frauen und ein Kind getötet wurden. Allerdings sei nach der Untersuchung nicht auszuschließen, dass bei dem Einsatz bis zu neun Menschen getötet worden seien. Die genaue Zahl sei aber in den Trümmern des Hauses nicht mehr festzustellen.

„Der ermittelnde Offizier hat festgestellt, dass der Kommandant der Einheit sich exakt an die Vorschriften hielt, als er notwendigerweise die Anwendung von Gewalt solange befahl, bis die Bedrohung ausgeschaltet war“, hieß es in der Erklärung des US-Militärs. „Der Verlust unschuldigen Lebens ist tragisch und bedauerlich und wir bedauern, dass dies geschehen ist.“

Die US-Soldaten wurden nach Armeeangaben aus dem Haus beschossen worden, als sie ein mutmaßliches Al-Kaida-Mitglied festnehmen wollten, was ihnen später gelang. Armee-Vertretern zufolge rief der Kommandant einen Kampfhubschrauber zu Hilfe. Die Soldaten hätten geglaubt, in dem Gebäude halte sich ein Al-Kaida-Terrorist auf und hätten Luftunterstützung angefordert. Daraufhin sei ein Kampfflugzeug vom Typ AC-130 eingesetzt worden.

Rijadh Madschid, ein Verwandter der Opfer, erklärte, US-Soldaten seien mit einem Hubschrauber gelandet und hätten das Haus gestürmt. Ein weiterer Angehöriger, Ahmed Chalaf, sagte, es seien neun Mitglieder der Familie und zwei Besucher getötet worden. Laut US-Darstellung waren die Truppen während einer nächtlichen Razzia aus dem Gebäude beschossen worden. Ein mutmaßliches Al-Kaida-Mitglied sei aus dem Haus geflüchtet und später gefasst worden.

Im Fall Haditha sollen Militärermittlern zufolge Marine-Infanteristen im November 24 Zivilisten erschossen und dies später vertuscht haben. Präsident George W. Bush zeigte sich besorgt über die Berichte und kündigte eine lückenlose Aufklärung auf. Nach dem Folter-Skandal im Gefängnis Abu Ghraib haben derartige Vorfälle dem Ansehen der USA im Irak weiteren Schaden zugefügt.

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