Todesschüsse auf befreite Geisel
Italien bezweifelt US-Darstellung

Italien hat Zweifel an der US-Rechtfertigung für die Todesschüsse auf den Beschützer der befreiten Geisel Giuliana Sgrena im Irak angemeldet.

HB ROM. In einer detaillierten Rekonstruktion der Vorgänge um die Befreiung Sgrenas widersprach Außenminister Gianfranco Fini am Dienstag vor dem Parlament der Version der USA, die Italiener hätten in ihrem Auto Gas gegeben und Warnschüsse ignoriert. Das Fahrzeug der Journalistin und ihrer Begleiter sei langsam gefahren. Zudem habe es keine Warnung vor dem Angriff der US-Soldaten gegeben. Italien nahm unterdessen ein Angebot der USA an, sich an einer Armee-Untersuchung zu dem Vorfall zu beteiligen. Der zuständige US-Kommandeur im Irak, George Casey, sagte, ihm lägen keine Informationen darüber vor, dass Italien die USA vor dem Beschuss über die Freilassung der Geisel informiert habe.

Fini verlangte eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls und eine Bestrafung der Verantwortlichen. Er wies jedoch zugleich Spekulationen zurück, die US-Soldaten hätten den Konvoi gezielt und absichtlich beschossen. „Es war ganz sicher ein Unfall“, betonte er. Sofort nach den Schüssen hätten sich die US-Soldaten bei Sgrena und einem Geheimdienstmitarbeiter entschuldigt. „Es war ein Unfall, der durch eine Reihe von Umständen und Zufällen verursacht wurde.“ Dies mache jedoch eine Aufklärung der Vorfälle notwendig sowie eine Identifizierung der Verantwortlichen und - wenn es Schuldige gebe - deren Bestrafung.

Reporterin: Möglicherweise gezielte Schüsse

Sgrena, die für die kommunistische italienische Zeitung „Il Manifesto“ und die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ arbeitet, war am Freitag aus irakischer Geiselhaft freigelassen und von italienischen Geheimdienstmitarbeitern in einem Fahrzeug zum Flughafen nach Bagdad gebracht worden. Auf dem Weg dorthin wurde das Auto von US-Soldaten beschossen. Der Geheimdienstoffizier Nicola Calipari erlitt einen Kopfschuss und war sofort tot. Sgrena wurde an der Schulter verletzt.

Die Reporterin bestreitet die Darstellung der USA und hat angedeutet, sie sei möglicherweise gezielt beschossen worden. Die US-Regierung hat dies zurückgewiesen. US-General Casey sagte vor Reportern, er habe eine Untersuchung zu dem Vorfall eingeleitet, an der sich auch Italien beteiligen könne. Sie solle in drei bis vier Wochen abgeschlossen sein. Das Büro des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi begrüßte die amerikanische Einladung an den Verbündeten. Berlusconi hatte nach dem Beschuss gefordert, dass jemand für den Vorfall die Verantwortung übernehmen müsse. Zugleich hatte er deutlich gemacht, dass die italienische Truppenpräsenz im Irak nicht zur Debatte stehe. Italien stellt in dem Golfstaat mit rund 3000 Soldaten das viertgrößte ausländische Truppenkontingent.

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