Todesschwadrone verschärfen die Situation
Das Netzwerk der „schwarzen Witwen“

Präsident Wladimir Putin macht internationale Terrornetzwerke wie El Kaida für die Anschläge in Russland verantwortlich. Tatsächlich kämpfen an Seiten der Rebellen in Tschetschenien inzwischen auch arabische Söldner. Doch der Kern der Freischärler und der Netzwerke, die Terroranschläge in Moskau organisieren, sind Tschetschenen.

mbr MOSKAU. „Das brutale Vorgehen in Tschetschenien und das Verschleppen von Männern durch eine Todesschwadron des Kadyrow-Clans – einer 8 000 Mann starken Leibgarde des ermordeten tschetschenischen Ex-Präsidenten Ahmad Kadyrow – treibt den Rebellen immer neue Anhänger zu“, warnt die russische Menschenrechtsgruppe Memorial. Auch Insider wie der Sicherheitsexperte Jewgenij Swonkow warnen vor einem noch härteren Vorgehen der russischen Armee und Kadyrow-Männer im Kaukasus.

Es sei zudem leichtfertig von der russischen Regierung, immer wieder auf Israel oder Nordirland mit ihren dortigen Konflikten und Anschlagsserien zu verweisen, wenn es um die terroristischen Folgen des Tschetschenien-Krieges geht, meint Swonkow. Die russische Bevölkerung sei auf einen Bürgerkrieg im Herzen Russlands nicht vorbereitet. Vielmehr seien schon jetzt verstärkte Aktivitäten von Rechtsradikalen zu beobachten, Tschetschenen und andere Kaukasier gewalttätig aus russischen Städten zu vertreiben.

Geiselnahmen und der Einsatz so genannter „schwarzer Witwen“– Angehörige von in Tschetschenien verschleppten Männern – werden zumeist von der Gruppe um den Rebellen-Feldkommandeur Schamil Bassajew geplant. Er gehört zum radikalen, islamistischen Lager der Tschetschenen-Kämpfer und diente früher dem russischen Geheimdienst – bis er sich auf die Seite der Separatisten schlug. Bassajew unterhält Kontakte zu islamischen Terrorzellen. Mit ihnen kämpfen Anhänger des gemäßigten Tschetschenenführers Aslan Maschadow.

Allerdings sind die als „Dschachidy“ eingesetzten Frauen zumeist Angehörige ermordeter Tschetschenen. Zwei von ihnen sprengten sich vorige Woche in zwei russischen Flugzeugen in die Luft, eine riss am Dienstag bei einem Selbstmordattentat vor einer Moskauer U-Bahn- Station neun Menschen mit in den Tod, und vier sitzen in der von Geiselnehmern besetzten Schule in Beslan mit Sprengstoffgürteln um ihre Hüften. Sie werden in Lagern moralisch auf die Selbstmordattentate vorbereitet. Wenn sie aber selbst nicht den Auslöser ihrer Bomben drücken, wird dieser per Funksignal von einem wenige Dutzend Meter entfernten Begleiter ausgelöst.

Quelle: Handelsblatt

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