Todesstrafe in den USA
Zurück zu Erschießungskommandos?

Giftinjektionen galten in den USA lange als „saubere“ Art der Hinrichtung. Nach der verpfuschten und qualvollen Exekution in Arizona diskutiert das Land nun über archaische Methoden – wie den Tod durch die Gewehrkugel.
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San FranciscoEs war nicht die erste Hinrichtung, die in den USA zu einem Desaster wurde. Aber die Details, die Ende der Woche in den USA bekannt wurden, sind schockierend. Bei seiner Hinrichtung am 23. Juli in Arizona, die eigentlich höchstens zehn Minuten hätte dauern dürfen, bekam Joseph Wood innerhalb von zwei Stunden 15 mal eine Injektion mit einer angeblich bereits beim ersten Mal tödlichen Mischung aus Medikamenten.

Die am Freitag von Woods Anwälten veröffentlichten Daten verleihen der Diskussion um die Todesstrafe in den USA eine neue Schärfe. Der wegen Doppelmordes verurteilte Wood rang laut Protokoll während seiner Hinrichtung rund 600 Mal hörbar nach Luft, erklärten Woods Anwälte. Hardliner in den USA sowie ein mit dem Wood-Verfahren befasster Richter haben bereits eine Lösung des Problems zur Hand: Die Rückkehr zur Effektivität von Erschießungskommandos.

Im Januar war es bereits in Ohio zu einem ähnlichen Zwischenfall gekommen, die Exekution mit den gleichen Schmerzmitteln dauerte mehr als 30 qualvolle Minuten. Im April starb ein Verurteilter an einem Herzinfarkt nur Minuten, nachdem seine fehlgeschlagene Hinrichtung abgebrochen wurde, weil ihm die Medikamente falsch verabreicht worden waren.

In Arizona sehen die Bestimmungen jeweils 50 Milligramm der Medikamente Midazolam und Hydromorphon vor. Eigenmächtig habe die Anstaltsleitung jedoch bereits die Menge heraufgesetzt, um Zwischenfälle zu vermeiden, so Woods Anwälte. Aber auch das habe offenbar nicht ausgereicht. Die Anwälte fordern jetzt eine externe Untersuchung der Vorgänge. Der Anstaltsleiter, Charles Ryan, erklärte, er sei an einer offenen Aufarbeitung der Vorgänge interessiert und betonte gleichzeitig, die Exekution sei vorschriftsmäßig abgelaufen.

Woods Anwälte hatten mehrfach, auch vor dem Hintergrund der vorherigen Vorkommnisse, mehr Einsicht in die Details der Hinrichtung und der verwendeten Medikamente verlangt. Es ist offiziell nicht bekannt, von woher die US-Strafanstalten die benötigten Injektionen beziehen, wie viel sie bezahlen und wie sie sie behandeln oder lagern. Die Hersteller selbst weigern sich kategorisch, direkt an die Gefängnisse zu liefern. Sie wollen nicht mit der Verwendung ihrer Produkte zur Tötung von Menschen in Verbindung gebracht werden.

Exekutionen mit Giftinjektionen galten lange als „saubere“ Lösung eines Problems, das die USA tief spaltet. Nach Daten des Death Penalty Information Center wenden derzeit 32 Staaten in den USA die Todesstrafe an, 18 nicht. Michigan schaffte sie 1846 als erster Bundesstaat ab, Maryland als bislang letzter in 2013. 

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„Medikamente sind zur Heilung da, nicht zum Töten“

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  • Die Guillotine scheint mir auch geeignet zu sein. Ihr Hauptnachteil dürfte der erhöhte Reinigungsaufwand danach sein. Eine Teflonbeschichtung würde eine schnelle Reinigung mit einem Hochdruckreiniger erleichtern.

    Diese Art der Hinrichtung ist damit sehr belastend für den Henker und seine Helfer. Beim Tod durch Erhängen bleibt die körperliche Integrität des Delinquenten gewahrt. Aber auch hier gibt es unerwünschte Nebeneffekte, wie die Enteerung des Darmes und der Blase...

    Probleme über Probleme, zumal eine Todesstrafe der am. Gesellschaft bereits mehr als 1 Mio. USD kosten soll. Deshalb sollte man in der USA auch aus ökonomischen Gründen die Todesstrafe überdenken.

  • Es scheint nur eine Richtung zu geben, immer weiter in die unmenschliche Perversität hinein.
    Anstatt die das Morden durch sogenannte "Todesstrafe" sofort zu beenden, wird über "Alternativen" nachgedacht die uns noch tiefer ins Mittelalter zurückführen.
    Traurig, wenn sogar ein Leserkommentar einen Vorschlag für eine "sanfte Methode" der Tötung aufzeigt, ohne zu begreifen, welches Gedankengut er damit bedient.

  • Kohlenmonoxid! Schneller, sanfter Tod durch Einschlafen und Ersticken ohne Atemnot! Nicht umsonst eine japanische Lieblings-Selbstmordmethode. Sehr viele Grill-"Unfälle" zeigen auch, dass es sehr schnell geht! Bevor man etwas merkt ist man auch schon tot....

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