Todesurteil gegen Saddam Hussein
„Ich bin noch immer der Präsident“

Ein irakisches Gericht hat Saddam Hussein zum Tode durch den Strang verurteilt. Es ist das Ende eines Prozesses, der schwer mit internationalen Rechtsstandards zu vereinbaren ist. Und dennoch hat der Ex-Diktator die öffentliche Bühne geschickt für sich genutzt. Lesen Sie, was am Tag des Schuldspruchs im Gerichtssaal passiert ist.

KAIRO. Saddam Hussein zieht alle Register, die ihm noch zur Verfügung stehen. Er weigert sich aufzustehen, als Richter Rauf Rahman das Urteil verlesen will. Erst als Wächter seine Arme packen, stellt er sich auf, begleitet von Rufen: „Fasst mich nicht an.“ Im dunklen Anzug mit Einstecktuch, der Kragen des weißen Hemdes offen, macht Saddam einen gefassten Eindruck an diesem Sonntag morgen. Kaum hat der Richter den Tod durch Erhängen verkündet, ruft er „Lang lebe die Nation, lange lebe Irak, nieder mit den Verrätern, Gott ist groß.“

Der kurdische Richter und der ehemalige Diktator wirken wie ein eingespieltes Team. Während Rahman das kurze Urteil verliest, setzt Saddam mechanisch seine Rufe fort: „Geh zur Hölle mit deinen Gesetzen und Klauseln. Ihr seid ein Sprachrohr der Besatzung. Sieg für die Nation. Wir sind das Volk dieses Landes!“ Dabei reckt er die rechte Faust, in der linken Hand hält er den Koran.

Beide Männer wirken entschlossen, gut vorbereitet und erstaunlich emotionslos für dieses historische Ereignis. Ein Diktator, der sein Volk und die Nachbarländer Iran und Kuwait in Angst und Schrecken versetzt und mit Krieg überzogen hat, wird zur Rechenschaft gezogen. Und wegen Verbrechen gegen die Menschheit zum Tode verurteilt. Von einem Gericht in dem Land, dass er 24 Jahre lang brutal beherrschte.

Saddam präsentiert sich als Held

Auf der Anklagebank hat Saddam nur Worte und Gesten als Waffen. Die setzt er gut vorbereitet ein. Während der Richter mit dem Urteil die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit im Irak markieren will, spricht der gestürzte Präsident dem Sondergericht jede Legalität ab und beruft sich auf Gott und die Nation als wahre Quellen der Autorität. Der Verlauf der Urteilsverkündung ist typisch für das gesamte Verfahren. Seit der ersten Sitzung im Oktober 2005 schaffte Saddam es immer wieder, mit Tiraden gegen das Gericht und die USA das Verfahren zu dominieren. Und sich als pan-arabischer Held zu präsentieren.

Bereits die erste Frage des kurdischen Richters Rizkar Amin nach seinem Namen nutzte Saddam Hussein zu seinem ersten Wortgefecht. „Du bist Iraker, du weißt, wer ich bin“, antwortete er. „Ich bin noch immer der Präsident dieser Republik und die Besatzung kann dies nicht ändern.“ Als Saddam im März als Zeuge aufgerufen wurde, beschimpfte er die US-„Besatzung“ und rief zum Widerstand auf. Immer wieder wurde das Verfahren verzögert oder ausgesetzt.

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