Tödliche Schüsse auf Demonstanten
Myanmar: „Es ist wie in der Hölle"

Myanmars Militärregierung hat die Gewalt gegen die Demokratiebewegung trotz internationaler Proteste verschärft. Soldaten erschossen dem Staatsfernsehen zufolge am Donnerstag mindestens neun Menschen, darunter einen japanischen Fotografen. Zumindest einen geringen diplomatischen Erfolg gab es.

HB RANGUN. In der Millionenstadt Rangun fielen Schüsse, nachdem Soldaten die Protestierenden ultimativ aufgefordert hatten, die Straßen zu räumen. Krankenhäuser und Diplomaten berichteten von vielen Verletzten. Bei Razzien in Klöstern nahmen Sicherheitskräfte Hunderte buddhistische Mönche fest, die die Proteste angeführt hatten. US-Präsident George W. Bush forderte, die Militärjunta mit internationalen Druck zu einem Stopp der Gewalt zu bewegen. Gegen 14 ranghohe Juntavertreter verhängte die US-Regierung Finanzsanktionen.

Die tödlichen Schüsse in Rangun fielen Zeugen zufolge, als Demonstranten an einer Pagode die Sicherheitskräfte mit Flaschen und Steinen bewarfen. Über Lautsprecher forderten die Sicherheitskräfte die Protestierenden in Rangun zum Rückzug binnen zehn Minuten auf – andernfalls würden sie erschossen. Zusätzlich zogen 200 mit Gewehren bewaffnete Soldaten durch die Straßen und zerstreuten Menschenansammlungen. Auch in anderen Städten kam es der Hongkonger Organisation Asiatische Menschenrechtskommission zufolge zu Demonstrationen.

Die von buddhistischen Mönchen getragenen Proteste hatten im August als Reaktion auf drastische Preiserhöhungen begonnen und sich zu einer Volksbewegung für Demokratie ausgeweitet. Am Mittwoch gingen die seit 45 Jahren mit eiserner Hand regierenden Militärs erstmals gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Dabei kamen nach Angaben aus Krankenhäusern mindestens drei Menschen um, die Junta sprach von einem, die Mönche von fünf Toten.

Um die Proteste einzudämmen, drangen in der Nacht zum Donnerstag Soldaten und Polizisten in Klöster ein. Allein in Rangun seien 200 Mönche abgeführt worden, im ganzen Land seien es mindestens 500 gewesen, berichteten Augenzeugen. Bei der Aktion sei ein Mönch getötet worden. Ein britischer Diplomat berichtete, im Kloster Ngwe Cha seien Mönche schwer misshandelt worden. Augenzeugen berichteten zudem von Plünderungen in Klöstern. „Es ist wie in der Hölle, die Klöster werden gestürmt und die Mönche grausam behandelt.“

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