Tödliche Schüsse in Kiew: Lawrow fordert OSZE-Untersuchung

Tödliche Schüsse in Kiew
Lawrow fordert OSZE-Untersuchung

Russlands Außenminister Lawrow will die tödlichen Schüsse in Kiew untersuchen lassen. Er sieht eine Mitschuld bei den Demonstranten. Ein Telefongespräch der EU-Außenbeauftragen Catherine Ashton nährt einen schlimmen Verdacht.
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MoskauDer russische Außenminister Sergej Lawrow hat eine Untersuchung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu den tödlichen Schüssen während der Straßenschlachten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gefordert. „Es gab zu viele Lügen, und diese Lüge wurde zu lange benutzt, um die europäische öffentliche Meinung in die falsche Richtung zu drängen, im Widerspruch zu den objektiven Tatsachen“, sagte Lawrow am Samstag in Moskau. „Die jüngsten Informationen“ zu den Vorkommnissen Fall könnten „nicht mehr verheimlicht“ werden.

Bei den Protesten der proeuropäischen Opposition auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, die Ende Februar zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch führten, waren dutzende Demonstranten und 15 Polizisten getötet worden. Vielen der Opfer wurde nach Angaben von Ärzten gezielt in Kopf und Brust geschossen. Augenzeugen berichteten von nicht identifizierten Scharfschützen auf Hausdächern rund um den Platz. Die Opposition machte Mitglieder der Sondereinheit Berkut für die Schüsse verantwortlich, doch hatten auch etliche radikale Demonstranten Gewehre.

Ein Mitschnitt eines Telefonats zwischen der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem estnischen Außenminister Urmas Paet nährte den Verdacht, dass tatsächlich Mitglieder der Opposition hinter den Schüssen stecken könnten. In dem Telefonat, dessen Inhalt von Unbekannten an die Öffentlichkeit gebracht wurde, sagte Paet, er habe von einer Ärztin in Kiew erfahren, die Opfer auf beiden Seiten seien offenbar von denselben Scharfschützen erschossen worden. Er zeigte sich zudem beunruhigt, dass die neue Übergangsregierung keine Untersuchung einleiten wolle.

Lawrow sagte am Samstag mit Blick auf den Westen, er sei bereit zu einem „ehrlichen Dialog auf Augenhöhe“ über die Ukraine. Dabei dürfe Russland aber nicht als Konfliktpartei angesehen werden. „Diese Krise wurde nicht von uns provoziert, tatsächlich wurde sie trotz unser wiederholten Warnungen provoziert“, sagte Lawrow. Der Übergangsregierung in Kiew warf er vor, von „radikalen Nationalisten, die mit Gewalt die Macht ergriffen haben“, abhängig zu sein. Die Regierung sei nicht in der Lage, Sicherheit zu gewährleisten, und habe keine Kontrolle über radikale Gruppen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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