Tödlicher Einsatz im Niger Hat Trump sein Bengasi?

Anfang Oktober sterben bei einem Einsatz im Niger mehrere amerikanische und nigrische Soldaten. Details dazu sind weiter unklar. In den USA mehrt sich Kritik an der Informationspolitik der Regierung – und an Trump.
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Hinter dem Überfall auf US-amerikanische Soldaten im Niger stehen noch viele Fragezeichen. Quelle: AP
Schockierender Vorfall

Hinter dem Überfall auf US-amerikanische Soldaten im Niger stehen noch viele Fragezeichen.

(Foto: AP)

WashingtonDie Regierung von US-Präsident Donald Trump sieht sich wegen eines tödlichen Einsatzes des US-Militärs im Niger zunehmend unter Druck. Zwei Wochen, nachdem in dem westafrikanischen Land amerikanische und nigrische Soldaten in einen Hinterhalt geraten waren, sind immer noch viele Fragen zu dem Vorfall ungeklärt. Mehrere Senatoren forderten am Donnerstag Aufklärung vom Weißen Haus. Die Regierung verteidigte ihre Informationspolitik und hielt sich zu dem Einsatz bedeckt. Der Tod der Soldaten werde untersucht, sagte Verteidigungsminister James Mattis.

Mehrere US-Soldaten waren am 4. Oktober gemeinsam mit einer nigrischen Einheit in einer abgelegenen Gegend unterwegs. Die Gruppe befand sich rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Niamey nahe der Grenze zu Mali, als sie in einen Hinterhalt geriet. Rund 50 Angreifer näherten sich ihnen in Autos und auf Motorrädern. Sie eröffneten das Feuer. Die Fahrzeuge des Konvois waren nicht gepanzert. Vier amerikanische und fünf nigrische Soldaten starben. Die USA machen einen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich.

Präsident Trump steht wegen seines Umgangs mit dem Vorfall stark in der Kritik. Er hatte fast zwei Wochen lang gebraucht, bis er sich dazu äußerte. Als er bei einer Pressekonferenz am Montag danach gefragt wurde, warf er seinen Amtsvorgängern vor, sie hätten nie oder nur selten bei Hinterbliebenen von Gefallenen angerufen. Er habe dies dagegen in allen Fällen getan. Beides stimmte nicht.

Nachdem der Präsident die Familien der Getöteten am Dienstag angerufen hatte, sorgten vermeintliche Details aus den Gesprächen für Wirbel. Eine Angehörige warf dem Präsidenten vor, er habe sich respektlos verhalten.

Die demokratische Kongressabgeordnete Frederica S. Wilson erklärte, der Vorfall habe das Potenzial, zu „Trumps Bengasi“ zu werden. Der Name der libyschen Hafenstadt ist in den USA untrennbar verbunden mit dem Attentat auf das dortige US-Konsulat im September 2012, bei dem vier Menschen getötet wurden. Viele Republikaner lasteten den Angriff der damaligen Außenministerin Hillary Clinton an und kritisierten ihr Krisenmanagement scharf. Auch Trump befeuerte damit immer wieder den Wahlkampf gegen seine demokratische Konkurrentin.

Aber nicht nur der Umgang des Präsidenten mit dem tödlichen Einsatz sorgt in den USA für Wirbel; auch die vielen offenen Fragen beschäftigen amerikanische Medien seit Tagen. Unklar ist etwa, warum die Soldaten von den Angreifern überrascht werden konnten. Verteidigungsminister Mattis sagte am Donnerstag, eine Attacke habe als unwahrscheinlich gegolten.

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