Tötung eines Unschuldigen
Londoner Polizeivize täuschte die Medien

Der oberste Terrorspezialist der britischen Polizei hat Öffentlichkeit und Kollegen im Fall der tödlichen Schüsse auf einen Brasilianer in London getäuscht. Der Mann war nach den U-Bahn-Anschlägen von 2005 von Polizisten irrtümlich für einen Selbstmordattentäter gehalten und erschossen worden.

HB LONDON. Der stellvertretende Londoner Polizeichef Andy Hayman habe nicht weitergegeben, dass der als Selbstmordattentäter verdächtigte Mann unschuldig gewesen sei, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Untersuchungsbericht eines unabhängigen Polizeigremiums.

Der Brasilianer Jean Charles De Menezes war am 22. Juli 2005 mit sieben Kopfschüssen getötet worden, als er in London eine U-Bahn besteigen wollte. Polizisten hatten den 27-Jährigen zwei Wochen nach den Selbstmordanschlägen in London mit 52 Toten für einen Terroristen gehalten.

Hayman habe zwar Polizeireportern am Tag des tödlichen Zwischenfalls erklärt, dass mit Menezes ein Unschuldiger getötet wurde. Diese Information habe er indes ranghohen Polizeibeamten wenig später vorenthalten. Dadurch wurde dem Bericht zufolge eine irreführende Pressemitteilung veröffentlicht, in der die Berichterstatter im unklaren darüber gelassen wurden, ob der Brasilianer ein potenzieller Selbstmordattentäter war oder nicht.

Gleichzeitig entlastete der Bericht Londons Polizeichef Ian Blair. Dieser sei von hochrangigen Offizieren über den Fehler im Dunkeln gelassen worden. Blair erfuhr eigenen Angaben zufolge erst 24 Stunden später, dass der falsche Mann erschossen worden war, und entschuldigte sich daraufhin öffentlich. Die Londoner Polizeibehörde erklärte, man habe die Weiterleitung von Informationen inzwischen „in erheblichen Maße verändert“, und bat um Verzeihung.

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