Tötung von UN-Beobachtern
USA decken Israel

Vier UN-Beobachter waren in der Nacht zu Mittwoch im Südlibanon durch israelische Bomben getötet worden, gleichwohl sie die Armee vorher mehrfach auf sich aufmerksam gemacht hatten. Eine Verurteilung des Angriffs durch den Weltsicherheitsrat kam dennoch nicht zustande – die USA blockierten die Entschließung und begründeten ihren Schritt auch.

HB NEW YORK. Die USA hatten nach Angaben von UN-Diplomaten Einwände gegen einen Absatz in der Erklärung, in dem es hieß, der Sicherheitsrat „verurteilt jeden vorsätzlichen Angriff auf UN-Mitarbeiter und betont, dass solche Angriffe nicht hinnehmbar sind“. Nach mehrstündigen Beratungen vertagte sich der Sicherheitsrat ergebnislos auf Donnerstag. Für eine Verurteilung Israels hatten sich unter anderem Frankreich und China ausgesprochen.

Der französische Ratspräsident Jean-Marc de la Sabliere äußerte sich enttäuscht. „Frankreich kann diesen Angriff nur verurteilen“, sagte er. Auf die Frage eines Journalisten, wie es wohl auf die UN-Soldaten in aller Welt wirken müsse, wenn der Sicherheitsrat zu einem solchen Vorfall zunächst schweige, sagte Sabliere, der Sicherheitsrat unterstütze alle Blauhelm-Soldaten. Strittig sei, wie die Erklärung formuliert werden solle: „Ist es ein Angriff, ist es ein absichtlicher Angriff? Es gibt keine Einigkeit, was die Einordnung des Angriffs angeht. Aber auf Einigkeit sind wir bei unserer Arbeit angewiesen.“

Auch der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya sagte: „Was China betrifft, so verurteilen wir dies ganz gewiss.“ Es müsse sichergestellt werden, dass sich ein solcher Vorfall nie wiederhole.

Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton hatte vor den Verhandlungen bereits gesagt, es gebe keinen Grund, an der israelischen Darstellung zu zweifeln, wonach der Beschuss ein „Versehen“ gewesen sei. „Wir müssen mit jeder Einordnung sehr vorsichtig sein, bis die Fakten vorliegen“, sagte er. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte bereits kurz nach dem Vorfall von einem „anscheinend vorsätzlichen“ Angriff auf den Stützpunkt Chiam gesprochen. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sein tiefes Bedauern ausdrückte. Er betonte, der UN-Posten sei versehentlich getroffen worden, und sicherte eine gründliche Untersuchung zu.

Für Annans These spricht, dass die UN-Friedenssoldaten im Vorfeld des tödlichen Treffers Israel mehrfach zu einem Ende des Bombardements aufgefordert haben, das ihnen immer näher kam. Die Soldaten riefen innerhalb von sechs Stunden zehn Mal bei den israelischen Streitkräften an, wie es am Mittwoch in einem UN-Bericht hieß. Jedes Mal sei ihnen dabei ein Ende der Angriffe zugesagt worden, die sich gegen Ziele in der Umgebung des Beobachterpostens richteten. Das sagte ein UN-Vertreter, dem der Inhalt des vorläufigen Berichts bekannt war, der Nachrichtenagentur AP. Nach Angaben der Soldaten auf dem Stützpunkt feuerte die israelische Luftwaffe am Dienstag 17 Bomben auf das Gebiet ab, von denen vier direkt den Posten trafen.

Die Opfer des Angriffs stammen nach libanesischen Angaben aus China, Österreich, Kanada und Finnland. Australien kündigte am Donnerstag als Reaktion auf den Vorfall an, seine zwölf Blauhelm-Soldaten aus dem Südlibanon abzuziehen.

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