Tonga
Krönung unter Palmen: König George verspricht Demokratie

Es ist das größte Ereignis der Südsee in diesem Jahr: George Tupou V. ist zum neuen König von Tonga gekrönt worden, gut zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters, der vor allem wegen seiner Leibesfülle weltweit Berühmtheit erlangt hatte. Gegen ihn ist George V. ein Hämpfling. Und auch sonst soll sich in dem Südseeparadies einiges ändern.

HB NUKU'ALOFA. Tonga ist das letzte Königreich der Südsee, der König herrschte bisher allmächtig über seine gut 100 000 Untertanen, von denen viele in Armut leben. Jetzt will der König der teilweisen Demokratisierung seines Inselreichs zustimmen.

Mit der Krönung von George Tupou V. soll in dem Südseeinselstaat Tonga ein Zeitalter demokratischer Reformen beginnen, erklärte Ministerpräsident Fred Sevele am Freitag vor 5000 internationalen Gästen der christlichen und von britischem Pomp geprägten Zeremonie in Nuku'Alofa, an der auch der japanische Kronprinz Naruhito und die neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark teilnahmen.

George V. bestieg zwei Jahre nach der Übernahme der Staatsgeschäfte von seinem verstorbenen Vater Taufa'ahau Tupou IV. den Thron. Taufaʻahau Tupou IV. war mit über 200 Kilo eines der schwergewichtigsten Staatsoberhäupter des 20. Jahrhunderts. So sehr er sich fürs Schlemmen begeisterte, so ablehnend zeigte er sich gegenüber der Demokratie. Der Monarch hielt nicht viel davon, Mehrheitswahlrecht sei, so gab er einmal zu Protokoll, "etwas Fremdes" für Tonga.

Das sieht sein Sohn anders. Er hat jetzt den Verzicht auf seine praktisch uneingeschränkte Feudalmacht angekündigt. Er wolle die Führung des Landes künftig Parlament und Regierung überlassen, erklärte er.

Der Erzbischof von Polynesien, Jabez Bryce, rief George V. beim Krönungsgottesdienst auf, „weise, gerecht und wahrhaftig“ zu herrschen. Als der 60-Jährige die Kirche verließ, jubelten ihm tausende Gäste und Schaulustige zu. Während der anstehenden viertägigen Feierlichkeiten sind ein Staatsbankett für die geladenen Staats- und Regierungschefs oder ihre Vertreter geplant, außerdem Militärparaden und Feuerwerk.

Das verarmte Inselkönigreich wird seit Jahrhunderten feudal regiert. Zuletzt wurden immer wieder Forderungen nach einer Demokratisierung laut. Auch die pazifischen Nachbarn Australien und Neuseeland, die gleichzeitig auch die größten Geldgeber des Landes sind, mahnten Reformen an. Politische Unruhen kosteten 2006 acht Menschen das Leben.

Das östlich von Fidschi gelegene Königreich umfasst 171 Inseln, von denen 36 dauernd bewohnt sind. Fast 70 Prozent der Einwohner leben auf der Hauptinsel Tongatapu, wo sich auch die Hauptstadt Nuku'Alofa befindet.

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