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Top-Ökonomen warnen: „Frankreich derzeit größte Gefahr für den Euroraum“

exklusivNicht nur Griechenland bereitet den Euro-Rettern Kopfzerbrechen, auch Frankreich rückt zunehmend in den Fokus. Ökonomen warnen schon, die schwächelnde Volkwirtschaft könnte die Euro-Zone ins Wanken bringen.

Mit Sorgenfalten: Frankreichs Präsident Francois Hollande Quelle: dpa
Mit Sorgenfalten: Frankreichs Präsident Francois Hollande Quelle: dpa

BerlinFührende Ökonomen in Deutschland sehen in Frankreich derzeit das größte Risiko für die Stabilität der Euro-Zone. Hintergrund ist die Herabstufung der Euro-Hilfsfonds ESM und EFSF durch die Ratingagentur Moody’s infolge der Abstufung Frankreichs. Der Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Fall der Fälle die kleineren Länder inklusive Spanien noch durch den ESM und das neue Anleihekaufprogramm (OMT) der Europäischen Zentralbank (EZB)  unterstützt werden könnten. „Somit scheint zurzeit die größte Gefahr für den Euroraum von Frankreich und eventuell Italien zu kommen“, sagte Bielmeier Handelsblatt Online.

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„In Italien liegt das Risiko aber hauptsächlich in der politischen Unsicherheit, während in Frankreich strukturelle Schwächen die Ursache sind.“ Jedoch werde Frankreich nach Bielmeiers Einschätzung das Reformtempo „deutlich erhöhen, sobald der Finanzmarkt den Druck auf Frankreich erhöht“.

Die strukturelle Entwicklung von Frankreich sei seit einiger Zeit in den Fokus der Ratingagenturen gerückt, sagte Bielmeier weiter. „Insbesondere der hohe Staatsanteil und die geringe Bereitschaft der französischen Regierung die notwendigen Reformen am Arbeitsmarkt anzugehen sind hier als Beispiele hervorzuheben.“

Besorgt über die Wirtschaftsschwäche Frankreichs äußerte sich auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Frankreich sei „faktisch zum Anwalt der hochverschuldeten Peripherieländer“ geworden. „Damit hat Frankreich Deutschland in seinem Bemühen isoliert, einen durch Wettbewerb und Geldwertstabilität geprägten Euroraum zu erhalten“, sagte Krämer Handelsblatt Online. „Frankreichs wirtschaftlicher Abstieg zerstört die politische Symmetrie im Euroraum.“

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

  • Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

    Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

  • Gilt diese Faustregel immer?

    Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

  • Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

    Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

  • Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

    Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

  • Wie begründet S&P seine Entscheidung?

    Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

  • Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

    Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

  • Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

    Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

  • Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

    Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

  • Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

    Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Das Grundproblem der französischen Volkswirtschaft sieht Krämer in einem überdimensionierten Staat, „der vor allem kleine Unternehmen gängelt und wie in kaum einem anderen westlichen Land ein gesellschaftliches Klima kultiviert, das die Marktwirtschaft als angeblich ungerecht ablehnt“. Vor allem deshalb stiegen in Frankreich die Lohnkosten zu stark, so dass das Land seit Beginn der Währungsunion ein Drittel seiner Weltmarktanteile verloren habe. Zudem habe sich die Leistungsbilanz ähnlich verschlechtert wie die Italiens. „Ich habe schon vor einem drei Viertel Jahr geschrieben, dass Frankreich gen Süden driftet“, sagte Krämer.

  • 03.12.2012, 18:05 UhrWolfThom

    Manfred Julius Müller - für Zollgrenzen, gegen Freihandel, für Protektionismus nach Friedrich List und Emmanuel Todd

    [...]

    Gegen eine neoliberale exportfixierte Angebotspolitik - gegen den Monetarismus der Chikagoer Schule der Volkswirtschaft nach Milton Friedman...

    [...]

    Vorbild Schweiz - direkte dezentrale Demokratie mit Plebisziten! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 03.12.2012, 17:55 UhrWolfThom

    Die wahren Zahlen

    [...]

    Lösungen siehe Forum... Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 03.12.2012, 17:53 UhrWolfThom

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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