Top-Ökonomen warnen
Griechenland-Krise könnte EU ins Chaos stürzen

Die politischen Endlos-Debatten über ein neues Rettungspaket für Griechenland nehmen kein Ende. Ökonomen warnen vor den Folgen, wenn zu spät und dann auch noch falsche Entscheidungen getroffen werden sollten.
  • 58

DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben sich angesichts der komplexen politischen Gemengelage in der Griechenland-Frage skeptisch über die Zukunftsaussichten eines neuen Rettungspakets für den taumelnden Mittelmeerstaat geäußert. Gleichwohl halten einige von ihnen trotz der Warnung der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Schuldenschnitt für Griechenland für unausweichlich. „Man kommt wohl nicht um einen Schuldenschnitt herum, der aber, was die Sache so schwierig macht, nicht von der EU und ihren Staaten im Alleingang beschlossen werden kann, da die Hauptgläubiger nicht die Staaten, sondern private Anleger sind“, sagte der Leiter der Konjunkturabteilung des Rheinisch- Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Roland Döhrn, Handelsblatt Online. „Eine solche geordnete Insolvenz setzt aber eine handlungsfähige Regierung in Athen voraus.“

Ähnlich äußerte sich der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner. „Griechenland ist pleite und wird um einen soliden Schuldenschnitt nicht umhin kommen“, sagte Fichtner Handelsblatt Online. „Schon aufgrund der Zinsbelastung wird das Land seinen Schuldenstand über die nächsten Jahre nicht nennenswert aus eigener Kraft reduzieren können, ganz zu schweigen von den fatalen gesamtwirtschaftlichen Wirkungen, die der Sparkurs der Regierung hat.“ Jetzt gehe es darum, schnell zu handeln: Private Gläubiger zögen sich mehr und mehr aus griechischen Staatsanleihen zurück. „Eine Pleite der griechischen Regierung wird daher mit jedem Tag teuerer für die europäischen Steuerzahler“, warnte Fichtner. Vor allem aber sei die griechische Bevölkerung angesichts der Aussichtslosigkeit der Situation nicht bereit, den Sparkurs der Regierung mitzutragen. „Ein schneller Schuldenschnitt dürfte die Aussichten für eine erfolgreiche Konsolidierung der Staatsfinanzen und die dringend notwendigen Strukturreformen in der griechischen Volkswirtschaft daher erheblich verbessern.“

Die EU-Kommission will mit einem Zwei-Stufenplan den drohenden Staatsbankrott Griechenlands vorerst abwenden. Währungs-Kommissar Olli Rehn sagte in Brüssel, er sei zuversichtlich, dass die Euro-Finanzminister sich am kommenden Sonntag bei ihrem Treffen auf die Auszahlung der nächsten Kredittranche in Höhe von zwölf Milliarden Euro verständigen. Erst im Juli sollten die Ressort-Chefs dann über weitere Finanzhilfen für Griechenland entscheiden.

Kommentare zu " Top-Ökonomen warnen: Griechenland-Krise könnte EU ins Chaos stürzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nicht länger schweigen
    Die Spezies Mensch muss sich erst die Finger verbrennen, bevor sie erfolgreich lernt - notfalls halt mehrmals. Wer bekannte Wahrheiten ausspricht, wie WM Rösler, löst quasi Schockwellen an den Märkten aus. Schon diese Tatsache alleine kündigt eine Katastrophe an.
    Dann lasst es krachen. Diese Sprache verstehen wir schließlich. So lernen alle wieder zu sparen, zum Glück dann auch die Finanzjongleure und andere Schmarotzer.
    Wenn eine "Entlassung" Griechenlands angeblich nicht möglich ist, dann muss dieses verfilzte Land eben "per Naturgesetz" aus der Euro-Zone fliegen.
    Vielleicht lernten dann noch andere dazu und folgende Generationen könnten sich glücklich schätzen.
    Herr Brüderle, Herr Rösler und Herr Bosbach haben das Wort. Herr Trittins peinliche Einlassungen durchschaut wohl jeder.

  • Wenn Geldueberweisungen huelfen, waere Hellas heute kerngesund.

    Hellas aber leidet an seiner eigenen, vor allem fehlenden Basisstruktur, in Oekonomie, Administration und Rechtsstaatlichkeit. Und diese Strukturmaengel lassen sich auch mit abermaligen Mrd.-Euro-Ueberweisungen ALLEIN nicht heilen.

    Schwerverletzte gehoeren auf den OP-Tisch in einer Intensiv-OP-Umgebung, und von Fachaerzten versorgt.
    Wer solchen Verletzten mit Pflastern und Schmerztabletten helfen wollte, den nennte man wohl nicht einmal mehr Hilfssanitaeter, sondern naive Gesundungshoffer oder Kurpfuscher.

  • Was für eine lustige Headline, besonders der Gebrauch des Konjunktivs zeugt von Humor (oder naiver Ahnungslosigkeit). Zunächst mal: Die EUdSSR braucht niemenden, der sie ins Chaos stürzt, denn sie IST das Chaos. Sprechen wir aber von einer erhöhten Taktung und Qualität der chaotischen Zustände, so können wir den Konjunktiv beruhigt ad Acta legen: Diese Krise WIRD die EU in ein noch größeres Chaos stürzen, mit wirtschaftlich und politisch sehr teueren Folgen. Das erkennt man daran, wie das politische Spitzenpersonal denkt und agiert (falls überhaupt): Realitätsfern, kurzsichtig, egoistisch und teilweise fremdgesteuert. So wird weder Griechenland, noch der Euro oder gar die Eu "gerettet", sondern allenfalls - wieder mal - durchsichtige Interessen der Eurokraten und des Großkapitals bedient. Ich sehe das inzwischen positiv, denn es erfüllt mich mit der Hoffnung, dass der ganze vermurkste EU-Laden bald auseinanderfliegt - weggespült von zunehmenden Bürgerprotesten oder schlicht gescheitert an den ökonomischen Fakten sowie der eigenen Inkompetenz, angemessen auf die selbstgemachte Krise zu reagieren. Allein der Umstand, dass Merkel, Barroso, Juncker und Co allen Ernstes eine "europäische Wirtschaftsregierung" für die heilbringende Patentlösung halten, zeigt, wie weit weg diese Menschen von jeder Realität sind - Bunga-Berlusconi und die Genies der griechischen Regierung (welcher auch immer) an den Schalthebeln unserer Wirtschaftspolitik, und alles wird gut? Kriegt man die Droge, die man rauchen muss, um derartigen Unfug zu glauben und zu verbreiten, eigentlich auf Krankenschein? Unfassbar!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%