Tote auf dem Tahrir-Platz
Mubarak soll nächste Woche vor Gericht

Hunderte Menschen starben in der ägyptischen Revolution. Während Mubarak alles abstreitet, werden immer mehr Funktionäre seines Regimes verhaftet. Wer ist Schuld an den tödlichen Attacken auf Zivilisten?
  • 1

Kairo/Scharm El ScheichSchon am Dienstag sollen Mubarak und seine beiden Söhne erstmals vor Gericht erscheinen. Das berichtete der arabische Sender Al Dschasira unter Berufung auf das ägyptische Staatsfernsehen. Gegen alle drei werde wegen Korruption, Verschwendung öffentlicher Gelder und Machtmissbrauchs ermittelt, gegen Mubarak zusätzlich noch wegen der Tötung von Demonstranten, teilte die ägyptische Staatsanwaltschaft auf ihrer Facebook-Seite mit.

Ägyptische Medien berichteten am Donnerstag zudem, der Geschäftsmann und frühere Parlamentarier Murtada Mansur sei verhaftet worden. Er stehe im Verdacht, die Schlägertrupps organisiert zu haben, die am 2. Februar mit Kamelen und Pferden mitten in die Menge der Anti-Mubarak-Demonstranten auf dem Kairoer Tahrir-Platz geritten waren. An der Planung dieser „Kavallerie-Attacke“ sollen nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auch Safwat al-Scharif und Scherif Wali, zwei Funktionäre der damaligen Regierungspartei NDP, beteiligt gewesen sein. Die beiden Männer wurden bereits vernommen.  

Mubarak selbst habe bei den Vernehmungen im Krankenhaus in Scharm el Scheich jede Beteiligung an den tödlichen Angriffen auf Demonstranten von sich gewiesen, hieß es. Der 82 Jahre alte Ex-Präsident sagte den Angaben zufolge, er habe während der Proteste nur einmal mit Innenminister Habib al-Adli gesprochen. Er habe Adli aufgefordert, beim Umgang mit den Demonstranten „vorsichtig" vorzugehen.  

Mubarak erklärte, er selbst habe die Armee angewiesen, Soldaten zum Schutz der Zivilisten auf den Straßen der Städte einzusetzen. Er habe vier Tage nach Beginn der Demonstrationen seinen Rücktritt erklären wollen, fügte er hinzu. Sein Bürochef Sakarija Asmi und andere Berater hätten ihm jedoch davon abgeraten. Sie hätten gesagt, die Ägypter wollten nicht den Rücktritt ihres Präsidenten. Sie wollten lediglich Reformen und eine neue Regierung.  

Mubarak und seine beiden Söhne Gamal und Alaa, die inzwischen im Tora-Gefängnis außerhalb von Kairo sitzen, sollen am kommenden Dienstag in Kairo erstmals vor Gericht erscheinen. Den drei Männern wird illegale Bereicherung vorgeworfen. Der Ex-Präsident soll außerdem an der Planung von Attacken auf Demonstranten während der Revolution beteiligt gewesen sein.  

Seit Mittwoch sitzen Mubarak und seine Söhne für 15 Tage in Untersuchungshaft, wobei der Vater aus gesundheitlichen Gründen vorerst im Krankenhaus bleiben darf. Bei ihm sind seine Ehefrau Suzanne und eine Hausangestellte der Familie. Ärzte sagten ägyptischen Medien, Mubaraks körperlicher Zustand sei für sein Alter nicht schlecht. Es gehe ihm aber psychisch schlecht.  

Die Jugendbewegung „6. April“, eine der tragenden Säulen der ägyptischen Demokratiebewegung, teilte am Donnerstag mit, sie sei „sehr zufrieden“ mit der Eröffnung des Verfahrens gegen Mubarak. Aus diesem Grund sagte die Bewegung eine für Freitag geplante Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Kairo ab.  

Vor der Klinik in dem Sinai-Badeort Scharm el Scheich versammelten sich laut Augenzeugen am Donnerstag erneut rund 300 Demonstranten. Sie forderten, Mubarak solle die Stadt verlassen, da seine Anwesenheit dem Tourismus schade. Etwa 25 Unterstützer des vor zwei Monaten entmachteten Ex-Präsidenten legten sich mit den Demonstranten an. Die Polizei ging dazwischen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Tote auf dem Tahrir-Platz: Mubarak soll nächste Woche vor Gericht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Gegen alle drei werde wegen Korruption, Verschwendung öffentlicher Gelder und Machtmissbrauchs ermittelt..."

    Da haben die drei aber Pech, dass sie nicht in Deutschland Politiker sind. Denn wenn sie hier Politiker wären, dann wären die genannten Vergehen geradezu Pflicht, um in Berlin mitmischen zu dürfen. Außer auf Menschen schießen, die gegen die Regierung sind. Das ist in Deutschland noch nicht erlaubt. Wohl gemerkt noch nicht. Auch in Deutschland muss man zum Machterhalt bald schwerere Geschütze auffahren. Wäre doch ein guter Zug von Merkel dem Mubarak Asyl zu gewähren. Da kann sie sich von ihm beraten lassen zum Thema "Das Pack im Zaum halten". Zur Korruption, Verschwendung von öffentlichen Geldern und Machtmissbrauch braucht sie sich nicht mehr beraten lassen. Es brodelt im Untergrund...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%