Tote bei Angriff auf Gefängnis
Sabotageakte im Irak häufen sich

Nach Sabotageakten an einer wichtigen Öl-Pipeline und einer Hauptwasserleitung in Bagdad war am Sonntag das größte Gefängnis des Iraks Ziel eines Anschlags. Mindestens sechs irakische Häftlinge kamen nach Angaben des arabischen Fernsehsenders Al Arabija ums Leben.

HB/dpa BAGDAD/WASHINGTON. 59 weitere Iraker seien bei dem Anschlag mit Mörsern in der Nacht zum Sonntag auf das Gefängnis Abu Ghraib westlich von Bagdad verletzt worden, zitierte der US- Nachrichtensender CNN einen offiziellen Militärsprecher in Bagdad. Irakische Behörden gingen sogar von zehn getöteten Menschen aus.

In dem Gefängnis gebe es sowohl Kriminelle als auch Iraker, die die Besatzungstruppen angegriffen hätten, hieß es bei CNN. In der Nähe befindet sich den Angaben zufolge ein Militärlager der US- Truppen. Über die Hintergründe des Anschlags wurde zunächst nichts bekannt. Das Gefängnis war erst vor knapp zwei Wochen wiedereröffnet worden. Zu Zeiten von Ex-Staatschef Saddam Hussein war Abu Ghraib ein Synonym für eines der unmenschlichsten Foltergefängnisse. Saddam hatte am 20. Oktober vergangenen Jahres mit einer Generalamnestie bis auf „Spione“ alle Häftlinge freigelassen.

Der arabische Fernsehsender Al Dschasira (Katar) strahlte am Sonntag ein neues Video aus, in dem eine Gruppe angeblicher Widerstandskämpfer neue Angriffe auf die US-Truppen im Irak ankündigt. Das Band zeigt fünf vermummte Männer in Kampfanzügen und mit Schnellfeuergewehren sowie Panzerfäusten. Einer von ihnen verliest eine Erklärung der „Irakischen National-Islamischen Widerstandsbewegung“, in der weitere Operationen gegen die US-Truppen angedroht werden.

In der zweitgrößten irakischen Stadt Basra ist ein dänischer Soldat bei einem Schusswechsel mit Einheimischen ums Leben gekommen. Wie das Heereskommando in Kopenhagen am Sonntag mitteilte, gehörte der Mann zu einer Patrouille, die am Vortag von Irakern beschossen wurde. Auch zwei Iraker starben bei dem Schusswechsel. Dänemark hat im südlichen Irak 420 Soldaten stationiert.

Auf eine der wichtigsten Wasserleitungen in Bagdad wurde am Sonntagmorgen ein Anschlag verübt. Augenzeugen berichteten von einer schweren Explosion um 06.45 Uhr (Ortszeit) im Stadtteil Aadhimija im Norden Bagdads. Die ausfließenden Wassermassen überfluteten eine wichtige Unterführung auf einer der Hauptverkehrsstraßen und legten eine Hauptverkehrsader lahm. Nach Augenzeugenberichten bildete sich ein großer See, den Kinder sofort zum Schwimmen nutzten. Rund 300 000 Einwohner waren über Stunden ohne Trinkwasser. Doch konnte die Leitung nach Angaben der US-Zivilverwaltung nach wenigen Stunden repariert werden. Bereits am Abend sollte die Wasserversorgung für die Einwohner von Aadhimija wieder normal sein.

Dagegen wird die Reparatur der Erdölleitung in die Türkei, die am Freitag bei einem Sabotageakt gesprengt worden war, noch Tage dauern. Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, bezifferte die Exportausfälle auf sieben Mill. Dollar täglich. Die knapp 1000 Kilometer lange, unterirdisch verlaufende Ölleitung von Kirkuk zum türkischen Ölterminal Ceyhan war am Freitag gesprengt worden. Noch am Sonntag schlugen Flammen und schwarzer Rauch aus dem Leck. Die Reparatur werde mindestens fünf bis sieben Tage dauern, hatte der amtierende Ölminister Thamerel Ghadhban am Samstag mitgeteilt.

Auf Erdölleitungen im Irak sind nach Angaben des Oberkommandierenden der US-Bodentruppen, General Ricardo Sanchez, in den vergangenen drei Monaten 15 Anschläge verübt worden. Für die Anschläge und Sabotageakte machen die US-Zivilverwaltung und der provisorische Übergangsrat Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein, ehemalige Geheimdienstmitarbeiter und ausländische Terroristen verantwortlich. Diese wollten eine Rückkehr zur Normalität und den Wiederaufbau des Landes behindern und die Bevölkerung gegen die US-Verwaltung aufstacheln.

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