Tote bei Ausschreitungen
Konservative entscheiden Wahlen für sich

Nach dem Ausschluss von mehr als 2 000 überwiegend liberalen Kandidaten haben die Konservativen bei der Parlamentswahl in Iran erwartungsgemäß einen klaren Sieg errungen. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben des Innenministeriums vom Sonntag bei 50,5 %. Bei Auseinandersetzungen über die Wahlergebnisse kamen im Südwesten des Landes vier Menschen ums Leben.

HB TEHERAN. In der Provinz Teheran beteiligten sich 33,7 % der Wahlberechtigten an der Abstimmung am Freitag, in der Hauptstadt selbst gingen 28 % an die Urnen, berichtete die iranische Studentennachrichtenagentur ISNA unter Berufung auf das Innenministerium. Die amtlichen Ergebnisse beruhten auf der Auszählung fast aller Wahlbezirke.

Die konservativen Bewerber lagen nach eigenen Angaben bei der Stimmenauszählung in allen Wahlbezirken einschließlich Teherans vorn. Dennoch wird über mehr als die Hälfte der 290 Parlamentssitze erst in der Stichwahl entschieden. Im ersten Wahlgang muss ein Kandidat mindestens 25 % der Stimmen gewinnen, um ein Mandat zu erringen. Zu der Wahl der 290 Abgeordneten des Madschlis (Parlament) waren 46,3 Mill. Iraner aufgerufen.

In Iseh in der Provinz Khusestan kam es nach ISNA-Angaben am Samstag zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und einer aufgebrachten Menschenmenge, die aus Protest gegen den Wahlsieg eines konservativen Kandidaten die Stadtverwaltung attackierte. Die Polizei habe zunächst Tränengas eingesetzt und später auf die Demonstranten geschossen.

Der oberste Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, dankte unterdessen dem Volk, dass es trotz der Boykottaufrufe zur Wahl gegangen sei. In einer am Samstagabend verbreiteten Botschaft erklärte Chamenei, damit seien Bemühungen durchkreuzt worden, das Volk vom islamischen System zu trennen. Das Volk sei der Gewinner der Wahlen, sagte er.

„Ich empfehle allen politischen Gruppen, sich auf keine Gespräche darüber einzulassen, wer gewann und wer verlor“, hieß es in der Botschaft Chameneis. Stattdessen sollten sie sich darauf konzentrieren, die Regierung von Präsident Mohammed Chatami zu unterstützen.

Reformkräfte hatten die Wähler zu einem Boykott aufgerufen, nachdem die konservative Geistlichkeit einen Großteil der Kandidaten der Reformparteien abgelehnt hatte. Deshalb wurde von Beobachtern die Höhe der Wahlbeteiligung als wichtiger zur Einschätzung der politischen Stimmung angesehen als der vorauszusehende Wahlausgang.

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