Toter Junge von Bodrum
Das Sinnbild der Krise – und die Folgen

Das Bild des toten Aylan zeigt Wirkung: Spanier drängen ihre Regierung zu mehr Hilfe, Schwedens Außenministerin bricht in Tränen aus und Hardliner David Cameron öffnet plötzlich Englands Grenzen für notleidende Syrer.
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Der auf der Flucht nach Europa ertrunkene dreijährige Aylan ist in seiner nordsyrischen Heimatstadt Kobane beigesetzt worden. Auch sein ebenfalls ums Leben gekommener Bruder und seine Mutter sind bestattet worden. Vater Abdullah Kurdi sagte: „Ich hoffe, dass meine Geschichte die Menschen dazu bringt, den Flüchtlingen mehr zu helfen.“

Der leblose Körper von Aylan war an einem Strand im türkischen Bodrum angespült worden. Der Junge gehörte einer Gruppe an, die per Boot die griechische Insel Kos erreichen wollte. Das Foto des toten Kindes löste international Bestürzung aus. Und könnte die Flüchtlingspolitik maßgeblich beeinflussen. So wurde das Sinnbild der Krise in den verschiedenen Ländern aufgenommen.

Italien

Das Bild aus Bodrum erschüttert in Italien die Gemüter. Zum ersten Mal blieb auch der ausländerfeindliche Matteo Salvini von der Lega Nord still. „Europa kann sein Gesicht nicht verlieren“ mahnte Matteo Renzi. „Es ist die Pflicht Europas eine gemeinsame Antwort zu geben. Eine Antwort, die vom europäischen Asylrecht über europäische Initiativen bei der Ankunft und Aufnahme, der europäischen Rückführung, aber auch eine globale Strategie für Eingriffe in den Herkunftsländern reicht.“

Auch der Innenminister Angelino Alfano meldete sich zu Wort: „Angesichts dieser Szene des toten Kindes am Strand habe ich einen tiefen Schmerz gefühlt, denn er kam nicht nach Europa, um uns Arbeitsplätze zu stehlen. Das war ein Kind, das mit seinen Eltern vor dem Krieg geflohen ist“, sagte Alfano. „Entweder nimmt Europa das Gewicht seiner Geschichte auf seine Schultern oder Europa kann schließen“, sagte er.

Man müsse sich entscheiden: „Entweder wir kehren zu dem großen Europa zurück, dass Menschlichkeit und Sicherheit garantiert, das Flüchtlinge aufnimmt, das aber hart ist im Kampf gegen die Menschenhändler oder wir sind ein Kontinent, der aus Angst die dunklen Jahren wieder erlebt, die den Grundstein für die Konzentrationslager gelegt haben“, sagte Alfano.

 

Interessant ist vor allem die Reaktion in Italien auf Merkels Ankündigung, 800.000 Flüchtlinge aufzunehmen. Dieser menschliche Akt passt für die Italiener gar nicht zu ihrem Bild der Austerity-Kanzlerin.

Der Corriere della Sera widmet dem Phänomen gleich eine ganze Seite unter dem Titel „Lo spirito tedesco „der deutsche Geist“, der erstaunt feststellt, dass der „Zeitgeist“ nicht nur Austerität sei. La Repubblica platziert eine große Reportage auf der zweiten Seite über das helfende Deutschland. „Der Wandel der Merkel: Berlin wählt das gute Gesicht“. Katharina Kort

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  • An dieser Stelle noch ein Kommentar zu dem Artikel, in welchem geschildert wie freudig bewegt sich der Wirtschaftsfunktionär Kramer über das massenhafter Hereinströmen ausländischer "Arbeitskräfte" (gemeint sind die illegalen Einwanderer, die unter dem Pseudonym "Flüchtling" ins Land kommen) geäußert hat
    Diesen Herrn interessieren ausschließlich die Belange der Klientel, die er vertritt. Das Gemeinwohl spielt keine Rolle. Wir werden in Zukunft mit Sicherheit zu wenige freie Arbeitsplätze und nicht zu viele haben und zwar aus folgenden Gründen:
    1. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen sind grob falsch, da sie viele Arbeitssuchende gar nicht erfassen. Das pfeifen inzwischen die Spatzen von den Dächern
    2. wir unterliegen nach wie vor konjunkturellen Zyklen, die zu einem deutlichen oder sogar sehr deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen können.
    3. Die sog. Digitalisierung (intelligente Computerprogramme) wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren zu einem massenhaften Wegfall von Arbeitsplätzen führen. Wirtschaftswissenschaftler in den USA sprechen von einem Wandel ähnlich dem Auftreten des industriellen Zeitalters im 19. Jhd. und prognostizieren den Wegfall von bis zu 50% aller Arbeitsplätze
    4. Ein Millionenheer von älteren Menschen wird in Zukunft auf den Arbeitsmarkt strömen, um der Altersarmut zu entfliehen.

    Unsere Wirtschaftsfunktionäre denken nur an den eigenen Reibach, den sie mit billigen und willigen Arbeitskräften aus dem Ausland machen wollen. Die riesigen Folgelasten soll das deutsche Volk tragen.

  • Vollkommen richtig: Besser keine Regierung, als eine schlechte Regierung.

    Unsere Regierung zeichnet sich dadurch aus, dass sie Probleme schafft, wo gar keine sind.

  • Das ist für die Angehörigen sicher traurig. Nichstdestotrotz muß die ketzerische Frage erlaubt sein, wieso Leute, die angeblich so sehr verfolgt wurden, dass sie sich mit dem Boot aufs offene Meer hinauswagen mußten und dabei leichtfertig das Leben ihrer Kinder aufs Spiel setzen mussten (?), mir nichts dir nichts einfach wieder an ihren Heimatort zurückkehren können, um dort das Kind zu beerdigen.
    Außerdem ist der Großvater offenbar von vorneherein nicht geflüchtet. Wie das ? Ich stelle mir unter echten Flüchtlingen einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung vor.

    Jedenfalls haben jetzt die hiesigen multikurellen Gutmenschenpropagandapolitkommissare ihren Super-Riesen-Knaller. Ich schätze, dass man sich in den nächsten Tagen die Ohren zuhalten sollte, um nicht in diesen kollektiven multikulturellen Wahnzustand hineingezogen zu werden.

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