Toxische Wertpapiere
USA starten Bad Bank

Das US-Finanzministerium will am heutigen Donnerstag den Grundstein für den immer wieder verschobenen Aufbau seiner Bad Bank legen. Finanzkreisen zufolge sollen dazu die Namen der bis zu zehn Fondsgesellschaften veröffentlicht werden, die den Banken mit staatlicher Hilfe ihre toxischen Kreditpapiere abkaufen werden.

NEW YORK. Das Ministerium wollte sich dazu nicht äußern. Experten sind sich weitgehend einig, dass langfristig eine Säuberung der Bankbilanzen nur mit einer Bad Bank möglich ist, sie zweifeln aber in der aktuellen Lage an den Erfolgschancen des Konzeptes. „Es scheint kaum Käufer zu geben, weil sich niemand vorwerfen lassen will, er habe auf Kosten des US-Steuerzahlers Gewinn gemacht“, sagte Tanya Azarchs, Analystin bei Standard & Poor's.

Das Konzept einer Bad Bank geht auf die US-Bankenkrise der 80er Jahre zurück. Damals kaufte der Staat den Instituten ihre faulen Kredite ab und entlastete sie so von weiteren Abschreibungen. In der Bad Bank wurde die Darlehen dann meist bis zu Endfälligkeit gehalten. Politischer Widerstand gegen eine erneute Rettung der Wall Street mit Steuermilliarden hatte bislang eine erneute Anwendung der Idee in der aktuellen Krise verhindert. Ende März stellte Finanzminister Tim Geithner daher ein Konzept mit dem Namen Public-Private Investmentprogramm (PPIP) vor, nach dem Fondsmanager den Banken mit privatem Geld die Papiere abkaufen sollten. Diese sollen nun am Donnerstag benannt werden. Erwartet wird, dass unter anderem der zur Allianz gehörende Vermögensverwalter Pimco sowie die Blackrock-Gruppe zu den Teilnehmern gehören werden. Diese haben dann zwölf Wochen Zeit, privates Kapital einzusammeln und damit Kreditpapiere aufzukaufen. Diese Investitionen sollen dann weitgehend mit Steuergeld gegen Verluste geschützt werden. In der aktuell aufgeheizten Stimmung gegen die viel diskutierte „Gier der Wall Street“, scheint dies vielen Anlegern aber zu heikel. Geithner selbst räumte zuletzt ein, die Bereitschaft zur Teilnahme sei „zögerlich“.

Aber auch auf der Verkäuferseite sieht man die Bad Bank nicht mehr als so dringlich an. Durch die erfolgreichen Stresstests der Regierung konnten die 19 größten Banken des Landes mehr als 65 Mrd. Dollar frisches Kapital einsammeln. Damit sind sie nach Berechnungen der Investmentbank Goldman Sachs in der Lage, die erwarteten auf sie entfallenden weiteren Abschreibungen von 650 Mrd. Dollar zu verdauen. Hinzukommt, dass eine Lockerung der Marktbewertungsregeln und eine Erholung der Einnahmen den Leidensdruck deutlich gemildert haben. Daher ist die Bereitschaft der Banken offensichtlich gewachsen, auf eine Werterholung der Papiere zu spekulieren, statt sie zu den immer noch geringen Marktpreisen an Investoren zu verkaufen.

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