Tränengas und Blendgranaten
Mazedonische Polizei geht gegen Flüchtlinge vor

Polizei und Militär haben mit einem Großaufgebot an der Mazedonischen Grenze versucht, Flüchtlinge an der Einreise in das Land zu hindern. Dabei rollten sie Stacheldraht aus, setzt Tränengas und Blendgranaten ein.
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GevgelijaMit Tränengas und Blendgranaten hat die mazedonische Polizei versucht, Tausende Flüchtlinge von der Einreise aus Griechenland abzuhalten. Bereitschaftspolizisten rollten am Freitag Stacheldraht aus und postierten sich mit gepanzerten Fahrzeugen rund um den Grenzübergang beim Ort Gevgelija.

Mindestens vier Menschen wurden Augenzeugen zufolge verletzt. Zur Verstärkung schickte die Regierung auch Soldaten. Später gelang trotzdem Hunderten Flüchtlingen, die Grenze zu überqueren. Zeitweise saßen Tausende im Niemandsland fest. Das UN-Flüchtlingshilfswerk erklärte am Abend, die Regierung in Skopje habe dem UNHCR inzwischen zugesichert, dass die Grenze nicht mehr geschlossen werde.

„Die Lage ist dramatisch“, sagte eine Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen. Helfer bekamen offenbar kaum Zugang zu den Flüchtlingen aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan. Das UNHCR kritisierte die Sperrung der Grenze und forderte Europa auf, eine Lösung zu finden. Mazedonien und Serbien dürften nicht alleingelassen werden. Die Organisation forderte auch von Griechenland Unterstützung für die auf der anderen Seite der Grenze festsitzenden Menschen.

Die EU wies unterdessen Kritik zurück, zu langsam auf die Krise zu reagieren. Vielmehr seien die Mitgliedstaaten am Zug, die Vorschläge der EU-Kommission umzusetzen. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hatte am Donnerstag mit seinem französischen Kollegen Bernard Cazeneuve die EU zu Eile gemahnt.

Einigen Flüchtlingen gelang es schon in der Nacht, die Grenze zu überqueren. Andere seien von der Polizei gefasst und ins Niemandsland abgedrängt worden, berichteten sie. Stunden nach dem Blendgranaten-Einsatz gelang es Hunderten Flüchtlingen doch, die Grenze zu überwinden. „Niemand hat uns aufgehalten“, sagte einer von ihnen.

Als sich herumsprach, dass alle paar Stunden Hunderte Flüchtlinge durchgelassen werden, kam es zu einem Gedränge. Mindestens zehn Menschen wurden ohnmächtig, während Polizisten mit Schlagstöcken die Menschen auf Abstand hielten.

Mazedonien hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Monaten mehr als 40.000 Flüchtlinge registriert, die aus Griechenland kamen. Die meisten von ihnen passieren das Land in Richtung Serbien und reisen weiter durch Ungarn in reichere Länder.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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