_

Transaktionssteuer: Auch Tschechien stellt sich gegen Merkels Pläne

Die FDP besteht auf ein gemeinsames Vorgehen der EU-Staaten bei der Finanztransaktionssteuer. Merkel und Schäuble schauen dabei vor allem auf Großbritannien. Doch nun lehnt bereits das vierte EU-Land ab.

Kann Angela Merkel die EU von einer Finanztransaktionssteuer überzeugen? Quelle: Reuters
Kann Angela Merkel die EU von einer Finanztransaktionssteuer überzeugen? Quelle: Reuters

Düsseldorf/Brüssel/BerlinTschechien lehnt die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in der EU ab. „Die Transaktionssteuer würde eine Menge unschuldiger Opfer fordern und Wirtschaftswachstum kosten“, sagte der stellvertretende tschechische Außenminister Tomas Zidek der „Rheinischen Post“.

Anzeige

Getroffen würden auch Pensionskassen, mittelständische Unternehmen und ganz normale Anleger, da die Steuer auf die Kunden abgewälzt würde. Zudem würden Geschäfte verlagert. Freilich könne Tschechien die Länder der Euro-Zone nicht daran hindern, die Steuer dennoch einzuführen. Tschechien ist damit nach Großbritannien, Schweden und Dänemark das vierte EU-Land, das die Einführung der Steuer ablehnt.

CDU und CSU wollen indessen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer forcieren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lässt in seinem Haus bereits intensiv die mögliche Ausgestaltung der Steuer auf Aktienumsätze und Devisentransaktionen erarbeiten. Mit Frankreich gebe es eine Arbeitsgruppe auf Beamtenebene, die sich regelmäßig berate, erfuhr das Handelsblatt aus dem Ministerium.

„Wenn die beiden größten Staaten vorangehen, übt das einen Sog aus“, hieß es. Die Skepsis, etwa der Schweden, halten die Unterhändler für überwindbar. „Sie haben schlechte Erfahrungen mit einem nationalen Alleingang gemacht. Das ist nicht vergleichbar mit einem Vorangehen der Euro-Zone“, hieß es optimistisch.

B.wertet Zwei Prozent Vernunft

Mit schöner Regelmäßigkeit zieht die Politik die Finanztransaktionssteuer als Ei des Kolumbus aus der Tasche und serviert sie den Wählern als besonderen Leckerbissen. Ein Fehler. Aber aus Schaden wird man ja klug.

B.wertet: Zwei Prozent Vernunft

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ trotz Meinungsverschiedenheiten mit der FDP an der Einführung einer Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte fest. Das gehe aus dem gemeinsamen Papier der deutschen und der französischen Regierung zur Vorbereitung des EU-Gipfels Ende Januar hervor. Darin versicherten beide Regierungen ausdrücklich, dass sie den Vorschlag der EU-Kommission unterstützten, eine sogenannte Finanztransaktionssteuer in Europa einzuführen.

  • 21.01.2012, 23:34 UhrAnonymer Benutzer: Mazi

    Respekt vor Tschechien, ein harter Kurs am Wind - aber absolut auf Kurs.

  • 21.01.2012, 23:30 UhrAnonymer Benutzer: Mazi

    Die Reichen werden doch garnicht besteuert! Die sind doch weg. Nur die Kleinen werden getroffen.

    Schauen Sie doch nach Griechenland. Wer Millionen hatte und sie noch nicht weg gebracht hatte, der hatte über den "Rettungsfonds" noch einmal eine Nachfrist bekommen, dies dringend vorzunehmen.

    Wer in Deutschland mit mehr als 15.000 Euro barem erwischt wird, der hat ein Problem. Und in Griechenland war man mit Millionen unterwegs. Obwohl dies auch hier bei uns bekannt war, haben unsere Politiker weitere Zahlungen an Griechenland angewiesen.

    Ein Schelm der Böses dabei denkt.

  • 19.01.2012, 11:32 UhrAnonymer Benutzer: WFriedrich

    Zitat Excel: "Bei den Tschechen regiert die Vernunft. Deutschland und Frankreich regiert die Gier nach Steuern"

    Frankreich und Deutschland sollen das fiskalische Interesse zurück stellen und an Lösungen arbeiten, die Investoren zu echten Unternehmern machen. Unser starker, eigentümergeführte Mittelstand hat uns bisher vor Entwicklungen bewahrt, die in anderen Ländern zur Deindustrialisierung führten. Ungeachtet des Arguments der Risikostreuung erachte ich insbesondere Aktienfonds als Perversion des Unternehmertums. Wer sich für Unternehmen nicht wirklich interessiert, sollte Anlageklassen wählen, die kein Miteigentum begründen (z. Bsp. Anleihen, Pfandbriefe). Keine Bedenken hätte ich gegen Rechtsvorschriften (auch steuerliche), die mittels wirtschaftlicher Hebel das Halten von Aktien über Zeiträume bewirken, die größer sind, als zwei aufeinanderfolgende durchschnittliche Produktzykluszeiten unserer volkswirtschaftlich bedeutsamsten Branchen. Magendrücken bereitet mir auch das Abdelegieren der Stimmrechte seitens vieler Kleinanleger auf Dritte, die kraft ihrer Stellung nicht Eigentümer, sondern Angestellte, ggf. sogar Lakeien sind. Bisher bewahrt uns die gesunde Eigentumsstruktur des Mittelstands vor den Folgen der Entfremdung vom Eigentum. Alles was Eigentümerbewusstsein befördert, verdient gefördert zu werden.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International