Transatlantische Beziehungen
„Wir müssen den USA mehr Verantwortung abnehmen“

Für Hans-Ulrich Klose ist der US-Republikaner Mitt Romney ein unbeschriebenes Blatt. Im Interview erklärt der Vize-Chef des Bundestags-Außenausschusses, warum Obama Präsident bleiben wird und was dann auf Europa zukommt.
  • 1

Herr Klose: In den Vorwahlen der Republikaner ist eine gewisse Europa-Feindlichkeit deutlich geworden. Romney zum Beispiel wetterte gegen den „europäischen Wohlfahrtsstaat“ und den politischen Umgang mit der Euro-Krise. Und er signalisierte eine Rückkehr zum amerikanischen Unilateralismus der Marke George W. Bush. Macht Ihnen das Sorgen?

Hans-Ulrich Klose: Viel der Rhetorik ist dem Vorwahlkampf geschuldet. Mit pointierten Aussagen wird versucht, sich von anderen abzusetzen. Romney hat jetzt sogar noch einmal nachgelegt – mit Aussagen zum Iran und Israel, wo er Obamas bisheriges Vorgehen kritisiert und erklärt, er würde das alles ganz anders machen. Ein bisschen anders verhält es sich bei der Wirtschaftspolitik.

Inwiefern?

Die Amerikaner haben in dieser Frage eine andere Mentalität als wir Deutschen. Die Amerikaner sind es gewöhnt, auf Pump zu leben – und das weitgehend hemmungslos. beim staatlichen Budget ist das nicht anders. Daher resultiert auch die ständige Empfehlung an die Europäer, die Schuldenkrise zu überwinden, indem man immer mehr Schulden macht.

Noch einmal zum Iran. Obama vertritt hier bereits eine harte Linie. Würde ein Mitt Romney als Präsident daran anknüpfen oder würde er eine noch härtere Gangart wählen?

Das ist schwer zu sagen. Romney gilt als ein Republikaner, der mehr in der politischen Mitte angesiedelt ist. Als Außenpolitiker ist er mir aber bislang nicht aufgefallen. Deshalb war ich auch ein bisschen überrascht über das, was er inzwischen von sich gibt.

Wie sieht es mit Syrien aus: Erwarten Sie, dass die USA, aber auch Europa deutlich mehr Flagge zeigen?

Direkt eingreifen kann man nicht, weil Syrien ein so zentraler arabischer Staat ist, mit so vielen unterschiedlichen Nachbarn. Eine Intervention könnte man nicht unter Kontrolle halten. Ein Grund ist natürlich auch, dass die russische Kriegsmarine ihren einzigen Stützpunkt im Mittelmeer im syrischen Hafen Tartus unterhält. Syrien kann man nur hinbekommen, wenn man sich hinter die arabische Liga stellt, deren Forderungen unterstützt, versucht, humanitär zu helfen und mit Sanktionen arbeitet, soweit das sinnvoll ist.

Erwarten Sie hier ein stärkeres amerikanisches Engagement?

Die Amerikaner werden nichts tun. Sie sind eher zurückhaltend und folgen damit der Vorgabe Obamas, sich nicht mit mehreren Konflikten gleichzeitig zu befassen. Nach meiner Einschätzung sind sie schlicht überfordert.

Seite 1:

„Wir müssen den USA mehr Verantwortung abnehmen“

Seite 2:

"Obama ist anders eingenordet"

Seite 3:

"Ich war und bin für Obama"

Kommentare zu " Transatlantische Beziehungen: „Wir müssen den USA mehr Verantwortung abnehmen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Immer noch werden wir von Politikern beherrscht, die vom Ost-West-Konflikt geprägt wurden. Die USA und Europa haben gemeinsame historische und kulturelle Wurzeln und eine Zusammenarbeit ist immer sinnvoll, aber andererseits haben sie sich auch auseinanderentwickelt. Seit dem Irak-Krieg ist klar, dass die Führungsrolle der USA mehr in Frage gestellt wird. Europäern ist ein Denken schwer zu vermitteln, das von einem "Reich des Bösen" ausgeht oder davon, Menschen in anderen Ländern gezielt zu töten. Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen liegt daher sicher nicht darin, Aufgaben von den USA zu übernehmen. Im übrigen reicht auch Europa bis zum Pazifik, denn Russland gehört auch zu Europa. Die EU-Europäer sollten gmeinsam mit Russland auch zum Pazifik ziehen, "um zu bleiben". Da gibt es noch viel Entwicklungspotenzial und auf die Amerikaner sollte man da keine Rücksicht nehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%