Transbay Center
Kaliforniens Luxusbahnhof ohne Gleise

Diese Woche versetzte ein Richter dem letzten Schnellzugprojekt der USA den Todesstoß. Das hat Auswirkungen auf andere Infrastrukturprojekte – beispielsweise auf einen 2-Milliarden-Bahnhof in San Francisco.
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San FranciscoStuttgart 21 an der Westküste? Im kalifornischen San Francisco entsteht ein 1,9 Milliarden Dollar teurer Verkehrskontenpunkt für Busse und Bahnen, der nur einen Schönheitsfehler hat. Es führen keine Gleise in den unterirdischen Eisenbahn-Bahnhof hinein oder heraus. Und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern.

Der Grund ist der überraschende Stopp des Schnellzugprojekts von San Francisco nach Los Angeles durch ein Gerichtsurteil Anfang der Woche. Die gesamte Finanzierung von insgesamt 68 Milliarden Dollar muss jetzt auf neue Füße gestellt werden und niemand weiß, wie das geschehen soll. Der Richter hatte den Verkauf von Anleihen für acht Milliarden Dollar mit der Begründung untersagt, der Staat Kalifornien habe nicht ansatzweise darlegen können, wie die Finanzierung der Gesamtsumme sichergestellt werde.

Damit setzt sich ein Dominoeffekt in Gang. Die Dollars, mit denen der Tiefbahnhof, dessen Baugrube sich über vier Straßenblöcke zieht, an das bestehende Eisenbahnnetz des Nahverkehrszugs Caltrain angebunden werden soll, sind damit auch verschwunden. Die Strecke unter San Franciscos Innenstadt wäre zwar nur 2,4 Kilometer lang, aber schon jetzt liegen die Kostenschätzungen bei 2,5 Milliarden Dollar. Dazu kommt ein zweites Problem.

Selbst wenn dieses Geld aufgetrieben werden könnten, fehlen immer noch Milliarden, um die gesamte Strecke bis San Jose zu elektrifizieren und die veraltete Flotte von Dieselzügen zu ersetzen. Sie rumpeln heute lautstark durch das Silicon Valley, das Technologiezentrum der Welt.

Die Umstellung auf Strom ist zwingend, der Betrieb von Dieselzügen ist in unterirdischen Strecken nicht machbar, räumt Caltrain-Sprecherin Jayme Ackemann ein. Wäre das neue Transbay Center nicht nur Endpunkt des Caltrains, sondern auch des Superzuges, gäbe es rund 600 Millionen Dollar Zuschuss. Aber so steht nun auch das Elektrifizierungsprojekt in den Sternen.

Das Ergebnis wäre 2017 die Eröffnung eines hochmodernen Super-Bahnhofs für 400 Millionen Dollar, auch Grand Central Station des Westens genannt, ohne Gleisanschluss und Züge und ohne klaren Plan, wie und wann sich das ändern könnte..

Doch offiziell ist der Optimismus ungebrochen. Die vorhandenen Mittel reichen aus, um die ersten 46 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den Kleinstädten Madera und Fresno zu bauen. Und das, so heißt es, wird jetzt auch gemacht. Dann fehlen nur noch rund 500 Kilometer mehr.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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