Transparency-Korruptionsindex
Korruption breitet sich in BRIC-Staaten aus

In den aufstrebenden Wirtschaftsnationen ist die Korruption laut auf dem Vormarsch. Doch auch der Westen steht in der Kritik. Denn Schwarz- und Bestechungsgeld landet auch an den internationale Finanzzentren.
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BerlinDie Korruption ist laut einer Untersuchung von Transparency International (TI) derzeit vor allem in aufstrebenden Wirtschaftsnationen auf dem Vormarsch. Verschlechtert hat sich die Situation insbesondere in der Türkei sowie in der Gruppe der aufstrebenden Schwellenländer (BRIC), zu der Brasilien, Russland, Indien und China zählen, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten diesjährigen TI-Korruptionsindex hervorgeht. Die Korruption werde indes nicht selten durch Geldtransfers über internationale Finanzzentren wie in Frankfurt, London oder New York befördert.

Obwohl sie meist in Ländern mit niedriger Korruptionsrate liegen, spielen multinationale Banken und internationale Finanzzentren laut TI eine wichtige Rolle dabei, dass Korruption in aufstrebenden Wirtschaftsnationen möglich sei. So werde zweifelhaften Eliten ermöglicht, unrechtmäßig erworbene Millionenbeträge beiseite zu schaffen oder zu waschen. „Fast jeder Bankenskandal, der mit Geldwäsche zu tun hat, ist über Steuerparadiese in kleinen Inselstaaten hinausgegangen“, sagte TI-Vertreterin Robin Hodess AFP. Schwarz- und Bestechungsgeld sei auch an den internationalen Finanzplätzen Frankfurt, London und New York gelandet. An solchen Stellen müsse die Korruptionsbekämpfung nachhaltig verbessert werden.

Die Türkei erlebte der Untersuchung zufolge in der diesjährigen Rangliste der weltweit korruptesten Staaten den größten Absturz und kam auf 45 Punkte. Der Corruption Perceptions Index (CPI) reicht von null bis 100, wobei 100 für den niedrigsten Korruptionsgrad im öffentlichen Sektor steht. Die Türkei liegt damit 2014 auf Platz 64 in der Länder-Rangliste, im Vorjahr lag das Land noch auf Platz 53.

Auch in anderen aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China oder Brasilien nimmt die Korruption TI zufolge zu. „Aufstrebende Wirtschaftsnationen, deren Regierungen Transparenz verweigern und Korruption tolerieren, schaffen ein Klima der Straflosigkeit, in dem Korruption blüht“, erklärte der TI-Vorsitzende José Ugaz.

Der CPI listet 175 Länder nach dem Grad auf, in dem dort Korruption bei Amtsträgern und Politikern wahrgenommen wird. Er stützt sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen von unabhängigen Institutionen. Laut TI werden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Staatsbürgern im In- und Ausland miteinbezogen. Deutschland bekam in diesem Jahr 79 Punkte und liegt damit unverändert auf Platz zwölf. Den besten Wert erzielte Dänemark (92 Punkte), Schlusslichter sind Somalia und Nordkorea (jeweils acht Punkte).

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Transparency-Korruptionsindex: Korruption breitet sich in BRIC-Staaten aus"

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  • Wieso leider? Das klingt doch ersmal gut!!!

    Diese Info ist ja völlig neu!!! Was wird aus den Lobbyverbänden, die Gesetze zu ihren Gunsten nicht nur biegen sondern gleich einbingen!
    Könnte dann heute noch ein Mövenpickgesetz oder auch das Telekomunikationsgesetz verabschiedet werden. Was ist mit der Arbeit der "Parlamentarier" für ihre Konzerne? usw.

  • Das ist leider so nicht richtig, Herr Meisenkaiser,

    Unter www.transparency.de steht geschrieben:

    Deutschland hat UN Konvention gegen Korruption ratifiziert

    United Nations Photo@flickr.com

    Berlin, 14.11.2014 – Durch die Hinterlegung der Urkunde zur Ratifizierung der UN Konvention gegen Korruption bei den Vereinten Nationen in New York ist Deutschland heute zum 173. Vertragsstaat geworden. Deutschland hatte die Konvention bereits am 9. Dezember 2003 unterzeichnet, es aber bis zur Verschärfung der Abgeordnetenbestechung in diesem Jahr nicht geschafft, die Anforderungen in nationales Recht umzusetzen. Seit dem 1. September 2014 ist der novellierte Straftatbestand zur Mandatsträgerbestechung in Kraft. Durch die Ratifizierung kann sich Deutschland nun international glaubhafter und effektiver an der Korruptionsbekämpfung beteiligen.

    Wie das dann in der Praxis gehandhabt wird und ob die Durchführung in den Unternehmen wie z.B. der Siemens AG durch entsprechende konsequent gehandhabte Compliance (englisch für Einhaltung, Zustimmung) befolgt wird, steht auf einem anderen Blatt Papier.

    In einem Verwaltungsstaat wie Deutschland, in dem Schmiergeldzahlungen als "sinnvolle Aufwendungen" im Steuerrecht behandelt werden, eher zweifelhaft.

  • Überschrift
    "In den aufstrebenden Wirtschaftsnationen ist die Korruption laut auf dem Vormarsch. Doch auch der Westen steht in der Kritik. Denn Schwarz- und Bestechungsgeld landet auch an den internationale Finanzzentren."

    Wie soll man das verstehen "Doch auch der Westen steht in der Kritik." ?

    Ich dachte, dass der Westen (auch Deutschland!) der Erfinder von Bakschisch ist.

    Hier werden derart viele Leute geschmiert, dass es nicht mehr feierlich ist!

    Es fängt an beim Einkäufer für Bauleistungen in Unternehmen und Beamten und zieht sich durch alle Wirtschafts- und Amtsbereiche.

    Das sind nun wirklich keine Neuigkeiten !

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