Transparency-Umfrage
Finanzkrise begünstigt Korruption

Die meisten Schmiergelder fließen in Afrika südlich der Sahara. Das hat Transparency International auf der Basis einer weltweiten Umfrage ermittelt. Nach der Finanzkrise geht eine Mehrheit der Befragten davon aus, dass Korruption auch in Europa und Nordamerika gängige Praxis ist.
  • 0

HB BERLIN. Die Zahl der weltweiten Korruptionsfälle hat Experten zufolge in den vergangenen drei Jahren zugenommen. Dieser Ansicht waren 60 Prozent der Befragten einer Umfrage von Transparency International (TI) zum Korruptionsbarometer 2010. Jeder Vierte gestand ein, im vergangenen Jahr Schmiergelder gezahlt zu haben, wie aus dem am Donnerstag anlässlich des Internationalen Anti-Korruptionstages vorgestellten Bericht hervorging.

Von jenen, die Bestechungsgelder zahlten, gab etwa die Hälfte zur Begründung an, sie hätten damit Probleme umgehen wollen. Ein Viertel zahlte, um Vorgänge und Entscheidungen zu beschleunigen. Berichtet wird von Zahlungen an Polizei-, Gesundheits- und Steuerbehörden.

Besonders schlecht wird die Korruptionsentwicklung in Europa und Nordamerika beurteilt. Dort gehen 73 beziehungsweise 67 Prozent davon aus, dass die Menschen in den vergangenen drei Jahren empfänglicher für Bestechlichkeit geworden sind. Sieben von zehn Befragten sagten, sie würden Korruptionsfälle anzeigen. Die tatsächliche Schmiergeld-Praxis ist dem Report zufolge in beiden Regionen allerdings vergleichsweise gering verbreitet: Der Anteil derer, die in den vergangenen zwölf Monaten Bestechungsgelder zahlten, lag in beiden Regionen bei fünf Prozent.

Die Finanzkrise beeinflusse noch immer die Meinungsbildung zur Korruption, insbesondere in Europa und Nordamerika, sagte die TI-Vorsitzende Huguette Labelle. Positiv sei aber, dass die Menschen bereit seien, sich gegen Korruption zu wehren. "Diese Bereitschaft muss mobilisiert werden."

Die EU-Kommissarin für Innenpolitik, Cecilia Malmström, kündigte an, den Kampf gegen Korruption in Europa zu verstärken. "Die Maßnahmen, die bis jetzt in der EU ergriffen wurden, haben noch keine überzeugenden Ergebnisse gebracht", sagte sie in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt". Deutliches Zeichen dafür sei, dass eine Mehrheit der EU-Bürger glaube, dass es in den Verwaltungen ihrer Länder Korruption gebe.

Die meisten Schmiergelder flossen in Afrika südlich der Sahara: Dort zahlte in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Befragten Bestechungsgelder. Es folgen der Nahe Osten und Nordafrika, wo mehr als ein Drittel von solchen Praktiken berichteten. Die stärkste Zunahme an Korruption seit 2006 weist das TI-Barometer für Afghanistan, Kambodscha, Kamerun, Indien, Irak, die Palästinensergebiete, Sierra Leone und Uganda aus.

Transparency International hat nach eigenen Angaben für das Korruptionsbarometer mehr als 91 000 Menschen in 86 Ländern und Regionen befragt. Im Mittelpunkt standen unter anderem Bagatellfälle und Bewertungen von öffentlichen Institutionen.

Kommentare zu " Transparency-Umfrage: Finanzkrise begünstigt Korruption"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%