Transparenz und Glaubwürdigkeit sind wichtig
Weite Welt der Ratings

Shell und Exxon haben auf Sachalin/Russland begonnen, unterseeische Öl- und Gasvorkommen im Wert von 22 Mrd. US-$ auszubeuten. BP schloss sich an. Bei Nachhaltigkeitsfonds- und -indices erzielen BP und Shell gute Werte. Exxon aber nahm der tonangebenden Dow Jones Sustainability Index wegen mangelnder Umweltleistungen nicht auf. Warum sind die Ratings der Ölriesen so verschieden? Zunehmend müssen Ratingagenturen solche Fragen beantworten. Institutionelle Anleger verlangen wie bei „normalen“ Investments auch bei der Beurteilung nachhaltiger Investments mehr Transparenz und Qualitätsnachweise.

sbe. DÜSSELDORF. Ratingbüros verwenden sehr unterschiedliche Kriterienkataloge. Nur eins ist klar: Bei Nachhaltigkeitsanalysten dominieren längerfristig angelegte Kriterien gegenüber der kurzfristigen Risikoanalyse, die traditionelle Analysten für Hauptindices nutzen. Doch wie schwer wiegen nichtfinanzielle Risiken, zum Beispiel potentielle Umweltschäden und Bedrohungen für die Arbeitsplätze in der Fischereiwirtschaft im Fall Sachalin?

Welchen Einfluss auf die Finanzergebnisse haben solche Investitionen für Unternehmen? Analysten diskutieren heftig, ob nichtfinanzielle Risiken eine aktuelle, materielle Bedrohung für den Finanzwert von Firmen darstellen. Die Beantwortung ist nicht einfach.

„Finanzanalysten wurden jahrelang zu Helden stilisiert, doch sind sie leider nicht gut vorbereitet, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu bewerten, wie der Enron-Skandal zeigt“, urteilt Timo van den Brink, Dozent am Triple P Performance Center der Universität Amsterdam. „Solch ein Versagen darf Nachhaltigkeitsanalysten nicht passieren!“ warnt der Ökonom. Die glaubwürdige Einschätzung von Unternehmen stellt aber große Anforderungen an Analysten, ihre Unabhängigkeit und Qualität. Neben messbaren Finanzrisiken sind juristische, Umwelt- und Menschenrechtsaspekte zu beachten. „Herkömmliche Analysten müssen schnell Know-how erwerben, um den Bedarf institutioneller Investoren an umfassenden Analysen und guten nachhaltigen Finanzinstrumenten zu decken“, meint van den Brink.

Weltweit gibt es rund 30 auf nachhaltiges Wirtschaften spezialisierte Rating- und Research-Büros, die Banken, Pensionsfonds und Index-Herausgebern zuarbeiten. Das Triple P Performance Center erläutert in einer Studie „Screening and Rating Sustainability“ deren Arbeitsweise. Aus Deutschland sind das imug-Institut, Oekom Research und Scoris dabei. Autor van den Brink resümiert: „Die Analystenwelt bleibt zum großen Teil die Transparenz schuldig, die sie von Unternehmen verlangt.“ Zudem gebe es noch zu viele Interessensvermischungen. Brink fordert eine größere Unabhängigkeit und Bereitschaft zur Standardisierung der Kriterien. Doch die Agenturen beharren auf ihrer Methodenvielfalt. Sie sind sich nur einig, dass die Qualität der Firmen-informationen zu verbessern ist. „Eine zentrale Datenbank mit Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen würde Vergleiche vereinfachen und transparenter machen. Analysten könnten dann gründlichere und zuverlässigere Analysen machen“, regt van den Brink an. „Das würde auch ihre Existenzberechtigung sichern.“

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