Trauer um polnischen Politiker
Polnischer Exaußenminister Geremek bei Unfall getötet

Der frühere polnische Außenminister und Solidarnosc-Aktivist Bronislaw Geremek ist am Sonntag bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nicht nur in Polen löste sein Tod Betroffenheit aus.

HB WARSCHAU. Der Wagen des 76 Jahre alten Vorreiters der Demokratiebewegung sei im Westen des Landes frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammengestoßen, teilte die Polizei mit. Geremek war ein wichtiger Berater von Lech Walesa und der Gewerkschaft Solidarnosc. Von 1997 bis 2000 war er Außenminister.

Die Bundesregierung und Spitzenvertreter der Europäischen Union äußerten sich betroffen über den Tod des polnischen Politikers, der seit 2004 als Abgeordneter des Europaparlaments arbeitete. „Der Tod von Bronislaw Geremek erfüllt mich mit tiefer Trauer. Wir verlieren mit ihm einen aufrechten Politiker und Freund, der Zeit seines Lebens mutig für die Freiheit seines Heimatlandes stritt“, erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Rande des Gipfeltreffens zur Gründung der Mittelmeerunion in Paris. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso würdigte Geremek als großen Europäer „mit unerschütterlichen Überzeugungen“.

Geremek war 1968 aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings durch den Einmarsch von Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten nach 18-jähriger Mitgliedschaft aus der Kommunistischen Partei ausgetreten. In den 1970er Jahren engagierte er sich für die wachsende Demokratiebewegung, und nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 wurde er verhaftet.

Nach dem Ende des Kommunismus acht Jahre später wurde er ins Parlament gewählt. In seine Amtszeit als Außenminister fielen der Nato-Beitritt Polens und die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. Für seine Verdienste um die europäische Einigung wurde der promovierte Historiker 1998 mit dem Karlspreis ausgezeichnet.

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